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Buchempfehlungen

Buchempfehlung für Juni 2017

„bleiben“

Autorin: Taschler, Judith

Inhalt:

Es ist eine kurze, zufällige Begegnung auf der Reise nach Italien: Max, Paul, Felix und Juliane – vier junge Leute, voller Träume für die Zukunft, treffen im Nachtzug nach Rom aufeinander.

Die vier Protagonisten erzählen in der Ichform von sich von ihren Familien und warum sie sich in eine bestimmte Richtung entwickelt haben.
Juliane und Paul haben geheiratet, Max und Felix sich auf eine Weltreise begeben.
Nach zwanzig Jahren trifft Juliane Felix zufällig in einer Galerie wieder und die beiden beginnen eine leidenschaftliche Affäre, die er jedoch ohne jede Erklärung abbricht. Erst Monate später erfährt Juliane - ausgerechnet von ihrem Mann - den Grund.
Die Wahrheit ist furchtbar und lässt das Leben aller eine dramatische Wendung nehmen.

Meine Meinung:

Ein tiefbewegender Roman. Schuld und Sühne, eine Familienaufstellung der besonderen Art. Jedenfalls hat die Autorin sich viel Mühe gemacht, die einzelnen Personen zu dem zu machen, wie sie sich verhalten. Es ist ihr gelungen, dass man ihren Protagonisten beim Lesen aufmerksam zu hört. Die außerordentliche und gewöhnungsbedürftige Erzählform in der Ich-Perspektive richtet sich direkt an den Leser. Man hat den Eindruck, jeder der vier Figuren führt mit uns das Gespräch. Tatsächlich haben die vier Protagonisten jeweils einen anderen Ansprechpartner, dem sie ihre Sicht der Dinge erzählen. Dieser Umstand hatte mich am Anfang verwirrt, zumal diese Personen bis zum Schluss unbekannt blieben.

Durch die Gegenüberstellung der einzelnen Charaktere, ihrer Kindheit, das Leben und Wirken ihrer Eltern und anderer Vorfahren erzeugen Bilder von den handelnden Personen. Im Besonderen beeindruckte mich, dass sich Juliane am Tod ihres jüngeren Bruders schuldig fühlte und daher den ruhigen und etwas älteren Anwalt Paul als Ehemann wählte. Er gab ihr Sicherheit und Geborgenheit. Trotzdem konnte sie nicht anders, als mit Felix, den sie bereits im Nachtzug nach Rom geküsst hatte, in eine Affäre zu schlittern. Die nicht ausgelebte Leidenschaft, das Verbotene – zumindest nicht schickliche Verhalten, erzeugten bei ihr  gleichzeitig Lust- und Schuldgefühle.

Die Schilderung der Begleitung des sterbenden Felix war einfühlsam, ging aber trotzdem unter die Haut. Dadurch hat mich der literarisch ungewöhnliche Text  durch seine  Handlung über die Lektüre hinaus beschäftigt.

Fazit:

Eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle, die literarische Texte schätzen, welche zum Nachdenken anregen ohne dabei in eine depressive Stimmung zu verfallen.

Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Judith_Taschler

http://www.jwtaschler.at/de/index.php

Buchempfehlung für Mai 2017

Tödliches Handicap

Autorin: Reichl, Eva

Inhaltsangaben:

Chefinspektor Thomas Neuhorn wird nach einer Pressekonferenz beim Linzer Landhaus erschossen. Es ist ein schwerer Schlag für sein Team, der Mordgruppe des Landeskriminalamtes Oberösterreich. Hat sein Tod mit dem Ausbau des Atomkraftwerkes Temelin, oder mit der geplanten Errichtung eines Vergnügungsparkes in Plesching zu tun? Der Mord an Neuhorn wirft viele Fragen auf – in welchem Zusammenhang stand er mit diesen Plänen? Oder gibt es einen Zusammenhang zu den angeschwemmten Leichen zweier junger Frauen? Seine Kollegen stehen vor einem Rätsel. Vermutlich hat ihr Chef  wieder einmal in einer Sache, ohne sein Team zu informieren, ermittelt.

Dann ist noch die zweite Ebene – der Himmel mit Gott, Petrus und Gabriel. Dort wird Neuhorn bereits von Petrus sehnsüchtig erwartet. Aber auch der Teufel will die Seele vom ermordeten Chefermittler. Aber, was hat dies alles mit Golf zu tun?

Meine Meinung:

Der gewohnte Aufbau der „Linz Krimi“ wurde auch in diesem Roman fortgesetzt. Die faktenorientierte Arbeit der Kriminalbeamten – von mir auch Erdlinge genannt und dort das himmlische Chaos. Der Autorin ist es auch diesmal gelungen, gekonnt zwischen den beiden Ebenen zu wechseln. Dadurch war es ihr möglich in den sachorientierten Krimi Humor zu bringen. Auf der einen Seite ein Sachverhalt, welcher Insiderwissen oder umfangreiche Recherche voraussetzt und anderseits das göttliche Chaos. Ein gar nicht souveräner Gott, ein unsicherer und frustrierter Petrus und aufsässige Engel, wie Gabriel. Die hier humorvoll vorgebrachte Gesellschaftskritik ist dosiert, aber in der Tiefe beißend. Bei so vielen Unzukömmlichkeiten im Himmel und den wiederholten Besuchen des Teufels, ist es kein Wunder, dass es auf der Erde so zu geht – oder habe ich dies falsch verstanden?

Mit viel Fantasie, aber doch in der Nähe der wirklichen Arbeit der Polizei, konnten Mark Stollstein, der ernannte Nachfolger von Neuhorn, und sein Team Indizien und Fakten zusammen tragen. Es bleibt bis zum Schluss spannend, ob  der Fall gelöst werden kann. Als Kenner der Krimi von Reichl habe ich einen ähnlichen Schluss erwartet, war aber dann doch etwas überrascht. Die Hintergründe zum Mord an Neuhorn sind beängstigend Wirklichkeitsnahe und könnten die Zusammenfassung einer Anklage sein. Gottseidank gibt es für ReichlleserInnen noch die Himmelsebene. Durch den richtigen Einsatz der Sprachmelodie und einer nicht überbordenden Poesie ist es schwer möglich den spannenden Krimi zwischendurch einmal wegzulegen.

Fazit:

Ein realitätsnaher Krimi mit viel Humor und ein wenig Gesellschaftskritik. Gott, der den Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen hat, kann vieles nicht – auch nicht Golfspielen. Vielleicht soll sich Gott einen Hund anschaffen?

Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Eva_Reichl

http://www.eva-reichl.at/

Buchempfehlung für April 2017

Das Leben und Sterben der Flugzeuge

Autor: Steinfest, Heinrich

 

Inhalt:

Kann man ein ganz gewöhnlicher Pariser Bahnhofsspatz sein und gleichzeitig ein deutscher Kommissar namens Blind? Kann es in Belfast ein Hochhaus mit einer geheimen Etage geben, das für Spatz und Kommissar lebenswichtig ist, obwohl dieser Wolkenkratzer doch nie gebaut worden ist? Und vor allem: Kann an einem verborgenen Ort das Wrack eines gewissen Flugzeugs der Malaysia Airlines liegen, das doch erst Monate später spurlos verschwinden wird? Wer die Romane Heinrich Steinfests kennt, weiß: In seinen Welten ist das alles ein Leichtes. Seine Gratwanderung zwischen Phantastischem und Realität gerät ihm auch diesmal wieder zu einem hochliterarischen Drahtseilakt, der die Lektüre dieses Romans zu einem überaus spannenden, ja atemberaubenden Vergnügen macht.

Meine Meinung:

Traum und Wirklichkeit liegen, wie bei Steinfest gewohnt, sehr nahe beisammen. Kommissar Blind und ein gewöhnlicher Spatz  in einem Pariser Bahnhofsviertel. Dieser Spatz, Quimp wiederum träumt als blinder Mensch erfolgreich Golf zu spielen Der wiederkehrende Wechsel von der realen Welt in die „Anderswelt“, wobei die Traumwelten fast realistischer sind, als die Welt vom Kommissar Blind. Beim Autor ist die Fantasie „Nichtendendwollend“ und er schafft Parallelwelten angereichert mit Realem, Irrealem und Surrealem. Eine Art modernes Märchen, - oder doch nur zusammengehängter Unsinn? Steinfest kappt die Vorstellung des Lesers. Dieser muss weit in die Fabelwelt des Autors eintauchen und wird dafür verzaubert durch die kultivierte Sprache, der steinfestigen vorwitzigen Ironie und  mit oft ins Absurde reichenden Sarkasmus belohnt. Getragen wird der Roman, mit Sicherheit kein Thriller – es fehlt die Spannung, vom Humor mit einem Hauch von Noir. Dazu eine Kostprobe: „Die Pünktlichen sind eigentlich ‚Zufrühkommende‘, welche sich verspätet haben.“ Der Spatz Quimp gibt im Buch viele solcher Weisheiten ab, was den Leser bewahrt über einige langweilige und für mich als Lückenfüller wahrgenommenen Passagen drüber zu blättern. Wer sich mit Steinfest einlässt, muss aber mit diesen überschießenden Einzelheiten rechnen. Es tut gut die fast 600 Seiten einmal wegzulegen, um nachher mit neuer Erwartung und Freude weiter zu lesen.

Sein eigenwilliger Zugang zur Philosophie gefällt mir. Er hält sich an keine wissenschaftlichen Regeln wirkt daher nicht dogmatisch. Die Erkenntnisse und Aussagen sind für dich und mich verständlich und nachvollziehbar.

Obwohl namengebend, geht es um Flugzeuge in diesem Roman nur am Rande.

Fazit:

Für jeden Steinfestfan ein MUSS, für alle anderen legen Sie das Buch zwischen durch einmal weg. Sie werden mit Sicherheit nachher mit Freude weiter lesen.

Links:

 https://www.piper.de/buecher/das-leben-und-sterben-der-flugzeuge-isbn-978-3-492-05662-5

https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Steinfest

Buchempfehlung für März 2017

PUTIN, Innenansichten der Macht

Autor: Seipel, Hubert

Inhaltsangaben (Klappentext):

Wie wurde Wladimir Putin vom KGB-Offizier in der DDR zum mächtigsten Mann und Gestalter des neuen Russlands, das sich immer weiter von den Vorstellungen des Westens entfernt?
Barack Obama stuft Wladimir Putin als eine der größten Gefahren für die Welt ein - gleich neben Ebola und den Terroristen des IS. Der russische Präsident wiederum kritisiert heftig »die Doppelmoral des Westens«. Seit den Ereignissen auf dem Maidan herrscht Dauerfrost mit guten Aussichten auf eine neue Ost-West-Eiszeit. Wie konnte es Jahrzehnte nach dem Ende der Sowjetunion wieder so weit kommen?
Hubert Seipel gelang es als einzigem westlichem Journalisten, Putin während der letzten fünf Jahre zu begleiten. Sein Buch ist die Geschichte einer gegenseitigen Entfremdung und Enttäuschung. Es gewährt tiefe Einblicke in die Motive und Vorstellungen des Wladimir Wladimirowitsch Putin.

Meine Meinung:

Das Wort „Putinversteher“ ein Schimpfwort für alle, welche nicht die vorverfasste Meinung der Transatlantischen Medienwerkstatt teilen, war mir immer zu einseitig und oberflächlich. Hubert Seipel ist durch die vielen Kontakte zu Putin und seinen Mitstreitern sehr nahe an den Menschen Putin herangekommen. Durch diese Nähe war er tatsächlich in der Lage nicht nur den Politiker, sondern auch den Privatmenschen Putin kennenzulernen. Der Autor lässt Putin zu Wort kommen – den unmittelbaren Verlauf der  jüngsten Geschichte des osteuropäischen Raumes aus seiner Sicht erzählen. Seipel hat zu diesen Aussagen umfangreich recherchiert und auch die Darstellungen des „sogenannten Westens“ gegenüber gestellt. Faszinierend fand ich die Schilderungen über die Einmischung des Westens, im Besonderen der USA bei den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, die Machenschaften der ehemaligen Außenministerin Clinton. Seipel beschreibt, wie sie bei der letzten Präsidentenwahl die Gegenkandidaten mit sehr hohen Geldbeträgen unterstützt und gegen Putin agitiert hat. Wem kann es daher wundern, dass Putin der Kandidatur von Clinton ablehnend gegenüber stand. Die Geldzuwendungen des Westens an politische Gegner unter dem Deckmantel der Förderung der Demokratie ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch. Auch wird aufgezeigt, dass Wirtschaftsverbrecher, welche durch die allumfassende Korruption nach dem Zerfall der Sowjetunion zu Geld und Besitz gekommen sind, von den Medien im Westen verhätschelt wurden und noch werden. Der Autor weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass es auch Putin bisher nicht gelang, die Korruption wirksam zu bekämpfen.

Der Aufbau und die Betitelung der einzelnen Abschnitte macht es den Leser leicht sich zu orientieren und auch einmal zurückzublättern. Es ist gleichzeitig eine Zeitreise des großteils erfolgreichen Versuches von Amerika und seinen Freunden Russland und die anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion zu destabilisieren.

Fazit:

Ja, das Buch zeigt die Nähe des Autors zu Putin, bringt aber auch den Zweck seiner Verteufelung in den westlichen Medien auf den Punkt. Auf Grund der aufgezeigten  Aggression des Transatlantischen Verteidigungspaktes kann man die Handlungsweisen von Putin verstehen. Keiner will fremde Atomraketensilos vor der „eigenen Haustür“ und viele, wie ich, wünschen die Ukraine als neutraler Staat als Pufferzone.

Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Krim

https://de.wikipedia.org/wiki/Hubert_Seipel

https://de.wikipedia.org/wiki/Wladimir_Wladimirowitsch_Putin

 

Buchempfehlung für Februar 2017

Verwenden statt verschwenden!

Autoren: Kunz, Martin; Varga-Kunz, Simone; Fehlhaber, Karsten (Dr. Prof.)

Inhalt (Kurzfassung d. Klappentextes):

Warum werfen wir wertvolle Lebensmittel weg? Das Essen, das in Europa im Müll landet, würde zweimal reichen, um alle Hungernden der Welt zu ernähren. Viele Verbraucher sind schlicht unsicher, was man noch ruhigen Gewissens essen kann und was wirklich in die Tonne muss. „Verwenden statt verschwenden!“ liefert wertvolle Informationen zu Lebensmittelhygiene, Haltbarkeit, Lagerung und Verwertung, um den Abfallberg mühelos zu verkleinern. Damit ist jedem einzelnen wirklich geholfen. Ein wichtiger Beitrag für den eigenen Geldbeutel und ein deutliches Zeichen gegen die Dekadenz der Wegwerfgesellschaft.

Meine Meinung:

Jede Publikation über den sachgemäßen Umgang mit den vorhandenen Ressourcen, im Besonderen mit Lebensmitteln,  ist ein Hoffnungsschimmer. Die Autoren starten mit einem Theorie- und Faktenteil, der auf Grund der vielen Statistiken sehr viel Platz einnimmt. Sie beschreiben die Lebensmittelerzeugung und das Konsumverhalten der Verbraucher in der westlichen Welt ebenso wie die Verschwendung der Nahrungsmittel. Auch blenden sie die Misswirtschaft in Afrika und anderen Teilen der Welt nicht aus, wodurch die Qualität der Lebensmittel verloren geht bzw. teilweise diese ganz verdorben werden. Im Buch wird glaubhaft geschildert, dass der Konsument zum Teil gar nicht in der Lage ist, zu unterscheiden, ob ein Lebensmittel bereits verdorben ist, oder nur das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist. Durch bestimmte Aussagen im Buch wurde ich in meiner Überzeugung bestärkt, dass die Konsumenten, die meisten sind absolute Laien im Bezug auf Lebensmittel, systematisch von der Industrie und dem Handel zum Wegwerfen erzogen wurden. Gottseidank, dass es in der letzten Zeit immer mehr Menschen gibt, welche in die Richtung denken: „Weniger ist mehr“. Dieser Ansatz und Ratschläge auf den Weg dazu kommen mir im Buch zu kurz. Dafür wird von den Autoren immer wieder auf die Selektierung von Gemüse und Obst hingewiesen. Der Ansatz dazu ist wichtig, aber die Schlussfolgerungen sind nicht immer stimmig. Kleine Kartoffel, ausgewachsener Salat, welche am Feld zurückgelassen werden, sind ein wichtiger ökologischer Dünger in der Kreislaufwirtschaft. Im Gegensatz zu den in Verkehr gesetzten, jedoch durch falsche Lagerung, Überangeboten und Gier, später vernichteten Lebensmitteln, fallen hier keine Logistikkosten an.

Die erteilten praktischen Hinweise und Ratschläge sind für Laien, im Besonderen für Menschen, welche gewillt sind über ihren Umgang mit Lebensmitteln nachzudenken, eine Orientierung. Die Verwertungshinweise für „übrig gebliebene Lebensmittel“ sind dürftig und die Rezepte laienhaft. Daraus kann man erkennen, dass die Autoren keine praktische Erfahrung im  Umgang mit Lebensmitteln haben. Sie haben aber gut recherchiert und alles übersichtlich zusammengefasst.

Fazit:

Ein guter Ratgeber für alle, welche noch keinen Zugang zum Wissen über den schonenden und nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln haben; einerseits durch das Elternhaus, oder anderseits durch das eigene Bemühen um ein nachhaltiges Leben.

Links:

https://www.randomhouse.de/Autor/Martin-Kunz/p44481.rhd

https://www.randomhouse.de/ebook/Verwenden-statt-verschwenden/Martin-Kunz/Mosaik-Verlag/e420323.rhd

Buchempfehlung für Januar 2017

Wolke sieben

Verlagswerk: Duden

Inhaltsangabe:

Warum es dort so schön ist und andere wunderbare Sprachgeschichten.

Woher kommt der Name „Mozart“? Heißt es eigentlich „ der Virus“ oder „das Virus“? Warum ist die Formulierung „schwere Unwetterwarnungen” falsch? Was hat es mit Interjektionen wie „oh“, „ach“, „aha“ oder „igitt“ auf sich? Was wissen wir über die Herkunft des Wortes „Spam“? Und wie gebraucht man „schaudern“ und „gruseln“ korrekt – und sind Monster eigentlich „blutdurstig“ oder „blutdürstig“?
Die deutsche Sprache hat viele spannende Geschichten zu erzählen! Staunen Sie über die ungeahnten Hintergründe zu Herkunft und Entwicklung von zahlreichen Wörtern, die wir tagtäglich nutzen. Erfahren Sie dabei Wissenswertes über den korrekten Umgang mit ihnen – verpackt in die unterhaltsamen Erzählungen lässt es sich auch viel besser merken. Die Sprachspezialisten von Duden haben eine einzigartige Sammlung von unterhaltsamen Sprachgeschichten zusammengetragen, die das Herz von Sprachliebhabern höher schlagen lassen.

 

Meine Meinung:

Den Duden kennen wir vor allem als Wörterbuch, ein Nachschlagewerk der Deutschen Rechtschreibung. In letzter Zeit hat  sich der Verlag Bibliographisches Institut, dieser war mir bisher nur unter der Bezeichnung Dudenverlag bekannt, bemüht sich zu öffnen und weitere Geschäftsfelder zu erschließen. Besonders aufgefallen sind mir die Aktivitäten im Kinderbuchbereich. Die Zielsetzung Wissensvermittlung soll dem Leser auch Spaß bereiten, ist ein wichtiger Faktor für die Leseförderung von Kindern. Nun aber zum Buch mit dem Titel „Wolke sieben“.  Die Titelwahl ist aussagekräftig, verlockend,  gleichzeitig herausfordernd und somit geglückt.  Die Gliederung in Kapitel bzw. Themen, erleichtert das Zwischendurchlesen, ein Nachschlagen und somit das Wiederauffinden einzelner Textpassagen. Ich habe einiges gewusst, vieles wurde mir in Erinnerung gerufen, aber auch Teile waren mir völlig unbekannt und brachten mich zum Staunen.  Beim Aufbau der einzelnen Kapitel kam der Wortwitz nicht zu kurz.  Obwohl man Deutsch spricht, gibt es immer wieder einen Österreich- oder Schweizbezug.  Ich hätte einem deutschen Verlagswerk nicht so viel  Humor zugetraut. 2  Beispiele: „Am 13 [..]schlug der Blitz in die hiesige Kreuzkirche – und setzte Tages darauf seine Reise weiter fort.“  „Berti Vogts: Die Kroaten sollen auf alles treten was sich bewegt? Da hat unser Mittelfeld ja nichts zu befürchten.“ Im Besonderen wird auf die Herkunft von einzelnen  Wörtern, Sprichwörtern und die Wandlung unserer Sprache eingegangen.  Das Entstehen eines Ausdruckes und auch das Sterben von Wörtern werden  behandelt.

Fazit:

Für ein Sachbuch sehr verständlich aufbereitet und leicht zu lesen. Es setzt keine Vorkenntnis voraus und will unbedingt „besessen werden „ Es ist ein Buch, das man sich zwar leihen kann, aber es verlangt die Nähe.

Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Duden

Buchempfehlung für Dezember 2016

Das Wunder der Rauhnächte (Märchen, Bräuche & Rituale für die innere Einkehr)

Autor: Kirschgruber, Valentin

Inhaltsangabe (Klappentext):

Sagenumwoben, mystisch, geheimnisvoll: Die Rauhnächte – zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag – gelten als Schwellenzeit, in der Dunkel und Licht, Altes und Neues, Vergänglichkeit und Ewigkeit ineinanderfließen. Die Weise, wie wir sie verbringen, soll der Überlieferung nach das nächste Jahr bestimmen. Dieses zauberhaft ausgestattete Buch lädt ein, die heilige Zeit mit einer Fülle von Bräuchen, Orakeln und Ritualen zu feiern.

Meine Meinung:

Ich halte eher weinig von Esoterik,  asiatischer Meditation und übertriebener Spiritualität. Es ist mein erstes Buch zu diesem Thema. Daher war ich sehr skeptisch, noch dazu, dass dieses Buch von einem aus Bayern stammenden Theologen geschrieben worden war. Da mich alte Bräuche interessieren und das Loslassen zum Jahresende  ein Thema ist, habe ich mich auf das Buch eingelassen. Es hat sich gut angefühlt. Zur Einstimmung habe ich das Buch einmal in Ruhe durchgeblättert. Das Cover strahlt Ruhe und Frieden aus. Dies setzt sich durch die stilisierten Winterbilder in den einzelnen Kapiteln fort. Diese Bilder fordern den Leser zum Nachdenken und Innehalten auf. Der Aufbau, von der Einführung in das Thema, hin zu der Unterteilung in Kapiteln bis zu den praktischen Anwendungsvorschlägen ist gut gelungen.  Was mir besonders gut gefallen hat, ist die wiederholte Anregung zur Besinnung und dem bewussten Innehalten.  Vielleicht ist dies der Zugang zur Meditation. Das Innehalten hat bei mir auch bisher ein Loslassen vom Vergangenen bewirkt und ich wurde durch die Ausführungen im Buch bestärkt. Räuchern ist für mich vor allem Brauchtum, wie der Autor auch im Buch andeutet.  Der Autor führt uns geschickt durch die einzelnen Kapitel der 12 Rauhnächte.  Dazu gibt er uns Hinweise was die Rauhnächte mit Märchen und Geistern zu tun haben.  Kirschgruber erklärt dem Leser  die Wirkung und den Zweck von Ritualen und wie sie angewendet werden sollen. Natürlich fehlt bei einem Theologen die Spiritualität nicht.

Fazit:

 Es hat mir gut getan das Buch gelesen zu haben. Obwohl ich nicht jede Anregung aufnehmen konnte, haben mich viele Inhalte bereichert und fasziniert.  Es ist eigentlich ein Tagebuch, ein Begleiter für die 12 Tage von Weihnachten bis zum 6. Jänner.  Der Leser soll sich das Buch zuerst in einer Bücherei ausleihen und bei Gefallen dann für sich kaufen, denn es gibt viele Bücher zum gleichen Thema.

Links:

https://www.randomhouse.de/Autor/Valentin-Kirschgruber/p521789.rhd

https://de.wikipedia.org/wiki/Rauhnacht

Buchempfehlung für November 2016

Die Kugel auf dem Weg zum Helden

Autor: Kurkow, Andrej

Inhaltsangaben:

EIN ENGEL UND EINE PISTOLENKUGEL AUF DER SUCHE NACH DEM GERECHTEN
Eine Pistolenkugel und ein Engel befinden sich in einem aufreibenden Wettlauf gegen die Zeit: Sie jagen den Gerechten, den wahren Helden. Während die Pistolenkugel ihm nach dem Leben trachtet, möchte der Engel ihn mit ins Paradies nehmen - doch wer erreicht sein Ziel zuerst?
EIN HELD IN GEHEIMER MISSION
Volkskontrolleur Pawel Dobrynin wurde einst von der Dorfgemeinschaft als einziger ehrlicher Bauer des Dorfes auserkoren, eine große Aufgabe für den Aufbau des Sowjetlandes zu erfüllen. Nun lebt er in der Stadt Krasnoretschensk. Doch dann wird er an einen abgeschiedenen Ort in den Bergen abkommandiert, wo er von nun an die Herstellung künstlicher Meteoriten überwacht, die der Sowjetunion die uneingeschränkte Macht in der Welt sichern sollen.
EIN KREMLTRÄUMER UND SEIN SCHWERMÜTIGER SEKRETÄR
Der ehemalige Schuldirektor Banow lebt mit Lenin, dem Kremlträumer, auf den Kremlwiesen ein spartanisches Leben zwischen Laubhütte und Lagerfeuer. Sein Tagwerk besteht in der Beantwortung eintreffender Briefe an Lenin und in Gesprächen mit dem Sowjetrevolutionär.

Meine Meinung:

Der Roman „Die Kugel auf dem Weg zum Helden“ ist voller Witz, abstruser, ins Extreme oder  Surreale  verzerrten Situationen undd unerwarteter Wendungen. Der Autor beschreibt die Aufbauarbeit nach dem Krieg in einer entfachten Sowjetunion, ohne jedoch vordergründig politisch zu wirken. Er erzählt aber auch von geplatzten Träumen, unbeugsamen Menschen, dem Stolz der „echten“ Kommunisten, enttäuschtem Fortschrittsglauben und unhinterfragten Heldenmythen.  Obwohl der Russe Kurkow, seit seiner Kindheit in der Kiew, Ukraine lebt, schreibt er „Russisch“; leichtfüßig, tief ins das Detail gehend, voller Ironie mit wiederkehrende Ausflügen in den Surrealismus. Dazu benützt er drei, manchmal auch mehrere Ebene – die  Kreise um den Engel, des Volkskontrolleurs  Dobrynin und des Kremelträumers. Natürlich, darf man auch auf die Nebenschauplätze der Krim und den sprachbegabten Papagei - vielleicht sogar einer der Hauptprotagonisten -  nicht vergessen. In einigen  Situationen gleitet der  Schriftsteller total in das Fantastische ab, ohne dabei den Humor bzw. die beißende Ironie zu verlieren. Der genannte  Aufbau ermöglicht es dem Autor zu den verschiedenen Örtlichkeiten zu wechseln ohne die genaue Zeitabfolge beachten zu müssen. Weiters wird der Aus- bzw. Umstieg begünstigt, wenn eine Situation allzu sehr in das Fantastische abgeglitten war. Dieser Umstand erleichtert es auch uns Lesern  den Faden nicht zur verlieren. Ein besonderes Lob möchte ich der Übersetzerin Claudia Dathe aussprechen. Sie brachte viel von der „Russischen Seele“ herüber und fand die richtigen Worte, wie „tiefer“ Herbst.

Fazit:

Ein Werk voller Widersprüche und Gegensätze, verpackt in viel Humor, Ironie, Skurrilität und Situationscomic. Der Autor verstand es durch seine Fantasie und den hintergründigen Humor Abläufe in der Sowjetunion, dem heutigen Russland und auch der Ukraine  auf lustiger Art aufzuzeigen.

Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Andrei_Jurjewitsch_Kurkow

http://www.haymonverlag.at/page.cfm?vpath=buchdetails&titnr=7181

 

Buchempfehlung für Oktober 2016

Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind

Autor: Jonasson, Jonas

Inhalt (Klappentext):

Johan Andersson – seit seinen zahllosen Gefängnisaufenthalten nur noch »Mörder-Anders« genannt – ist frisch aus dem Knast entlassen und braucht einen neuen Job sowie neue Freunde. Da kommt ihm die Begegnung mit der geschäftstüchtigen Pfarrerin Johanna Kjellander, die wegen ihrer atheistischen Gesinnung arbeitslos geworden ist, gerade recht. Zusammen mit dem Hotel-Rezeptionisten Per Persson gründen sie eine »Körperverletzungsagentur« mit Mörder-Anders in der Rolle des Auftragsschlägers. Die Nachfrage läuft blendend. Bis Mörder-Anders nach dem höheren Sinn des Ganzen fragt, sich plötzlich für Gott interessiert und friedfertig werden will. Doch Stockholms Gangsterbosse haben mit ihm noch eine Rechnung offen und nehmen Mörder-Anders und seine Freunde gründlich in die Zange …

Meine Meinung:

Was für ein langer Titel - doch er gefällt mir. Jonas Jonasson führt 3 einfach gestrickte Menschen für diesen Roman zusammen.  Der aus der Haft entlassene Mörder Johan Andersson immer nur „Mörder Anders“ genannt, die von ihrer Gemeinde, wegen ihrer Gottlosigkeit, entlassene Pastorin Johanna Kjellander und der   heruntergekommener Hotelportier  Per Persson bilden die Protagonisten. Die Geschichte ist skurril, amüsant und fast durchgehend unterhaltsam, ohne besonderen Tiefgang. Gerade dieser Umstand wertet das Buch auf, weil der Autor zwar die Charaktere seiner Protagonisten ausführlich beschrieben hat, dabei  aber keine moralische Wertung vornahm. Gleichzeit führt er uns vor, wie schräg unsere Welt, im Besonderen der Sozialstaat Schweden ist. Er führt uns mit schwarzem Humor vor Augen wohin die Gier nach immer mehr Geld und Reichtum führt. Dabei hat er mir bestätigt, wie leicht sich die Menschheit das Geld aus der Tasche ziehen lässt.  Jonasson schildert mehrfach, dass Menschen viel Geld in die Hand nehmen um ihren Hass ausleben zu können; gleichzeitig unterstellt  er vielen Menschen eine ungestillte  Sehnsucht nach Gott. Dies wird vor allem von der geldgierigen Pastorin ausgenützt, welche den zu Jesus gefundenen Mörder Anders schamlos ausbeutet. Durch falsche, aus ihrem Zusammenhang  gerissene Bibelzitate hat man stellenweise den Eindruck  es geht ihm nur um Klamauk, vielleicht auch um Satire, jedenfalls um humoristische Überzeichnungen. Ob der Autor Gott ernst nimmt, kann ich nicht sagen, aber Gott hält vieles aus – auch seine Hinterfragung. Der Autor hat es bestimmt nicht beabsichtigt, aber ich lese auch eine gewisse Gesellschaftskritik und sogar Ansätze von Theologischer Philosophie („das Böse“, Gottessehnsucht“) heraus.

Ich traue mir zu sagen, dass der Autor seinem  Schreibstil treu geblieben ist, obwohl ich von seinen vorherigen Romanen bisher nur Leseproben gelesen habe. Daher kann ich auch nicht bewerte, ob „Der Hundertjährige….“ um so viel besser war, als dieses Werk. Jedenfalls werde ich auch dieses Buch lesen.

Fazit:

Leicht zu lesender  amüsanter  und skurriler Unterhaltungsroman  - ein Schelmenstück. Vielleicht finden auch Sie einen „Mehrwert“?

Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Jonas_Jonasson

https://www.google.at/search?q=jonas+jonasson&ie=utf-8&oe=utf-8&client=firefox-b&gfe_rd=cr&ei=cVX-V-XbGauo8wem_7DgAw#q=M%C3%B6rder+Anders       

Buchempfehlung für September 2016

Blauschmuck

Autorin: Winkler, Katharina

Inhaltsangabe (Klappentext):

Filiz wächst in einem kurdischen Dorf in der Türkei auf. Sie ist zwölf, als sie sich in den um wenige Jahre älteren Yunus verliebt und mit ihm von einem gemeinsamen Leben im Westen träumt: ''Wie wollen wir leben, Yunus?' / 'In Jeans. Wir werden Jeanshosen tragen. In Deutschland.'' Mit fünfzehn heiratet sie Yunus - heimlich und gegen den Willen ihres Vaters. Doch mit der Hochzeit platzen auch die Träume von Freiheit und Autonomie: Statt Jeans trägt Filiz jetzt Burka; gemeinsam mit den drei Kindern, die in dieser Ehe geboren werden, ist sie der körperlichen und seelischen Brutalität ihres Mannes und ihrer Schwiegermutter ausgesetzt. Daran ändert auch die Emigration der Familie in den Westen nichts - vorerst. Denn nach einer neuerlichen Eskalation der Gewalt gelingt Filiz das vermeintlich Unmögliche: die Befreiung aus physischer und psychischer Abhängigkeit.

Meine Meinung:

Der Klappentext ist ziemlich oberflächlich und nicht im Einklang, zu dem was ich aus dem Buch herausgelesen habe. Damit sich jeder sein eigenes Bild davon machen kann, habe ich auf die Verfassung einer eigenen Inhaltsangabe verzichtet.  Das Buchcover und der Titel regen andere Vorstellungen an.  Gleichzeitig  sagt der Buchtitel „Blauschmuck“ mehr als der gesamte Klappentext aus. Blauschmuck an unterschiedlichen Stellen und Nuancen ist der Ausdruck der wiederkehrenden und rohen Brutalität der „Männlichkeit“ von Kurden und Türken.  Diese gewalttätigen Männer finden immer wieder einen Anlass ihre Frauen und Kinder zu schlagen. Dabei bleibt es nicht nur bei Stößen und Tritten oder Schläge mit der Hand, nein sie suchen Verstärkung in Form von Holz- oder Eisenstangen. Laut Autorin beruht der Roman auf wahre Begebenheiten. Die Protagonistin Filiz musste bereits als Kind die Schläge ihres Vaters ertragen, dessen einziger wertvoller Besitz die Ehre der Familie war. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich Filiz nach Liebe, einem Mann und ein anderes Leben sehnte. Sie glaubte dieses an Yunus Seite gefunden zu haben.  Es kam aber wie zu erwarten war, ganz anders. Den Yunus war vielleicht noch brutaler als die anderen Männer in den kurdischen Dörfern oder anderer Volksgruppen der Türkei, aber die Gewalt der Männer gegen ihre Frauen und Kinder ist allgegenwärtig. Ich bin durch die Aussagen  von Filiz zum Schluss gekommen,  dass seit Generationen die Männer ihre Frauen und Kinder brutal schlagen und alle dies zur Kenntnis nehmen, ja die einzelne Frau sogar stolz ist, dass sie auch „Blauschmuck“ trägt. Vermutlich glauben die Frauen, dass sie von ihren Männern nicht geliebt werden, wenn man sie nicht schlägt. Für mich sind nicht nur die Männer schuldig, sondern im Besonderen deren Mütter. Leider muss auch ich immer wieder feststellen, wie türkischstämmige Buben mit ihren Müttern oder anderen Frauen reden. Sie werden dafür nicht in die Schranken gewiesen, nein dies könnte den „Märchenprinz“  ja in seiner Männlichkeit verletzen.

Die Autorin hat sich mit ihrem Debütroman etwas getraut – ein heißes Thema  - sachlich aufgearbeitet und noch dazu ein eigener Stil.  Durch diesen  hat sie der Protagonistin eine Identität gegeben und Authentizität geschaffen. Mir haben sowohl die Wortwahl, als auch der Satzbau gefallen.

Fazit:

Ja, auch wir Männer sollen dieses Buch lesen.  Ich bin aber auch zur Kenntnis gekommen, dass die Türkei in der EU noch lange nicht ankommen wird.

Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Katharina_Winkler

http://www.suhrkamp.de/buecher/blauschmuck-katharina_winkler_42510.html

Buchempfehlung für August 2016

Bretonische Flut

Autor Bannalec, Jean-Luc

Inhalt (Klappentext):

Hochseefischer, Delfinforscher, Schmuggler und eine sagenumwobene Insel mitten im rauen Atlantik

Nie wieder wollte Kommissar Dupin auf dem Meer ermitteln. Doch in seinem neuen Fall verschlägt es ihn vor die äußerste Westküste der Bretagne. Auf die einzigartige Île de Sein, wo mehr Kaninchen als Menschen leben, der Frisör per Boot kommt und einst mächtige Hexen und sogar der Teufel persönlich hausten. Am Tag nach der keltischen Sommersonnenwende, nur zwei Tage vor dem 75. Geburtstag seiner Mutter steht Kommissar Dupin bis zu den Knöcheln in Fischabfällen. In der Auktionshalle von Douarnenez liegt die Leiche einer Fischerin. Ihr wurde die Kehle durchtrennt. Schnell klärt sich: die junge Frau stammte von der Île de Sein, kämpfte gegen die Zerstörung der Meere und mächtige Hochseepiraten. Von ihrer Heimatinsel erreicht Dupin noch am selben Morgen ein Hilferuf: Eine zweite Leiche wurde entdeckt. Der Kommissar und seine Inspektoren ermitteln unter Hochdruck. Die stolzen Menschen des Meeres sind eine eingeschworene Gemeinschaft, und die Spuren führen in viele Richtungen. Werden die alten Schmugglerrouten des Archipels wieder befahren? Gab es Beweise für illegale Aktivitäten im Parc Iroise, dem unvergleichlichen maritimen Naturschutzgebiet, in dem Delphine und Wale zu Hause sind? Und was ist vom Mythos der versunkenen Stadt zu halten, von dem die Insulaner erzählen?

Vor beeindruckender Kulisse – zwischen den Inseln Molène, Ouessant und Sein – ermittelt Kommissar Dupin in einem rätselhaften Fall, der ihm alles abverlangt, auch das Überschreiten der eigenen Grenzen.

Meine Meinung:

Ein Roman mit echt maritimem Flair, zwischen Fantasie und realer Wirklichkeit. Bannalec geht bei der Beschreibung des Umfeldes der Morde und seiner Ermittlungsarbeit weit über den üblichen Füllstoff hinaus. Er beschreibt die Lage, die Sehenswürdigkeiten, einzelne Lokale, typische Verhaltensnormen der Bewohner und Wetterphänomene der genannten Insel in einem  Umfang,  welcher für einen guten Reiseführer reichen würden. Man hat den Eindruck, dass der Autor im Gegensatz zu seinem Protagonisten Dupin das Meer und das maritime Umfeld auch in allen seiner Widerwärtigkeiten liebt. Gleichzeitig taucht er tief in die Mystik und Historie der Bretagne ein. Ein Gebilde von wissenschaftlich gesicherten Daten und Volkserzählungen  - märchen mit winzig realem Hintergrund. Dies verlangte von mir viel Zeit, weil es für mich wichtig war, das Geflecht zu entwirren. Dazu waren stundenlange Recherchen notwendig, welche ich aber nicht bereut habe. Das Gerippe der Kriminalgeschichte ist eher einfach gestrickt mit den von Bannalec geschilderten typischen „französischen“ Ermittlungsmethoden und dem erwarteten eher unlogischen  Ausgang.

Verwirrung sorgt auch der Umstand, ob es den Autor tatsächlich gibt oder der Name nur ein Pseudonym für Jörg BONG ist.

Fazit:

Die Handlung des Krimis würde es bei mir nicht zu einer Empfehlung bringen, aber durch das „Rundherum“ wurde das Buch absolut lesenswert. Also eine gelungene Symbiose.

Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%B6rg_Bong

https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%8Ele_de_Sein

https://de.wikipedia.org/wiki/Bretagne

Buchempfehlung für Juli 201

Steirernacht

Autorin:  Rossbacher, Claudia

Inhalt (Klappentext):

Familientragödie -  Mitten in der Nacht werden die LKA-Ermittler Sandra Mohr und Sascha Bergmann ins oststeirische Pöllau gerufen. Ein Ehepaar und dessen elfjähriger Sohn wurden in ihrem Haus erschossen aufgefunden. Was zunächst nach erweitertem Suizid aussieht, entpuppt sich schon bald als rätselhafter Mordfall, in dem die einzige hinterbliebene 13-jährige Tochter zur wichtigen Tatzeugin wird. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht, den Täter zu fassen. Auch ihr Privatleben droht Sandra Mohr an ihre Grenzen zu bringen …

Meine Meinung:

Was nicht im Klappentext steht,  ist die zugewiesene Moral der oststeirischen Bevölkerung und die der Abteilungsinspektorin Sandra Mohr. Ist es der Zeitgeist, das Schauen auf Quoten- in der Hoffnung auf eine ORF-Verfilmung-, oder viel Fantasie und geheime Wünsche der Autorin?  Eine Dreierbeziehung – 1 Frau, 2 Männer, dazu auch noch homosexuell,  ein zum Cybersex missbrauchtes Mädchen.  Ich will dies für meine Leser nicht bewerten,  aber es ist ein wesentlicher Inhalt des Buches.

Sandra Mohr, die gewohnt wehleidige Ermittlerin und ihr Vorgesetzter, Chefinspektor Sascha Bergmann, von der Autorin mit vielen negativen Eigenschaften ausgestattet, ermitteln für Romanhelden auf sehr hohem Niveau. Dies zeugt davon, dass Rossbacher wieder sehr gut recherchiert  hatte.  Auch Insiderwissen hat sie Dank Oskar Feifar  in den Roman eingebracht. Für Außenstehende ist es nicht immer leicht die Abläufe des Polizeialttages  richtig zu deuten und zu verstehen.  Diese Schilderungen und das Festmachen eines Tatortes an einen realen Ort- auch wenn  aus rechtlichen Gründen  vieles nur der Fantasie der Autorin entspringen konnte,  machen auch diesen Krimi so lesenswert.  Sie versteht es die Spannung aufzubauen, Finten zu legen, durch andere Inhalte abzulenken und trotzdem die Geschichte zu einem glaubhaften Schluss zu bringen. Obwohl ich mit der Täterin / dem Täter (ich will nichts verrate) vom Anfang richtig lag, war ich mir bis zum Schluss nicht sicher, ob meine Vermutung auch tatsächlich stimmt.  Auch mag ist den Stil der Autorin – eine Erzählung im Plauderton, geschmückt mit Gefühlen. Rossbacher erzeugt keine  Satzgebilde der Hochliteratur, aber trotzdem achtet sie auf die Sprachmelodie.

Fazit:

Ein gewohnt gut geschriebener und spannender Krimi. Ob frau/man so viel „Zeitgeist“ in einem Krimi braucht, soll jeder selbst beurteilen.

Links:

http://www.claudia-rossbacher.com/

https://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%B6llau_(Steiermark)

 

Buchempfehlung für Juni 2016

DSCHUNGELFIEBER UND WÜSTENKOLLER -   Abenteuer in West- und Zentralafrika

Autor: Cropp, Wolf-Ulrich

Inhalt:

Als kleiner Junge lernte Wolf-Ulrich Cropp bei seinem Großvater den "Urwalddoktor" Albert Schweitzer kennen. Seitdem träumte er davon, das von Schweitzer gegründete Hospital in Lambaréné kennenzulernen. Aus dem Traum wird schließlich eine abenteuerliche Reise durch West- und Zentralafrika. Der Autor zieht in den Dschungel und durch die Wüste, er trifft auf Pygmäen, Waldelefanten und Gorillas, begegnet Kindersoldaten und Rebellen. Er erlebt brodelnde Metropolen und unberechenbare Urnatur, und er muss gelegentlich brenzlige Situationen meistern.  Er bereist die  Staaten Gabun, Kamerun Zentralafrikanische Republik, die beiden Kongo und Tschad und gibt auch Einblick in historische Daten dieser Länder.

Meine Meinung:

Der Autor ist dem Abenteuer Reisen verfallen. Nicht umsonst begab er sich als über 70-jähriger auf diese gefährliche und anstrengende Reise.  Man merkt in seinen Schilderungen die Erfahrung eines Weltreisendens – er schrieb zahlreiche Bücher über Menschen und Natur in verschiedenen Ländern und Erdteilen; teilweise unter den Pseudonym Carl Conte. Das gegenständliche Buch ist ein Reisetagebuch gespickt mit Erinnerungen aus seinen vorangegangen Afrika Aufenthalten und historischen Daten. Gleichzeitig lässt der Autor Erzählungen seiner zufällig getroffenen Reisebegleitern, Einheimischen und Wissenschaftlern gekonnt einfließen. Dadurch wird seine Erzählung aufgelockert und angereichert. Cropp bringt dabei viele Fakten auf den Punkt, erklärt Ursache und Wirkung, ohne dabei einseitige Schuldzuweisungen zu machen oder die Bevölkerung Afrikas  generell in Schutz zu nehmen.

Besonders gefallen haben mir der Abschnitt  über die Bonobo Affen – Verwandte der Schimpansen – auch Zwergschimpansen genannt, obwohl beide annähernd gleich groß sind. Auffallend war, dass die Bonobo im Gegensatz zu den Schimpansen auffallend friedlich sind.

Auch die Ausführungen über die Fahrt in die Wüste,  in den Nordosten des Tschads, auf das Ennedi - und Erdi - Plateau sind sehr anschaulich geschildert. Im Bereich des Ennedi  (Feuchtland) mit 6 Seen, teilweise gespeist mit Urzeitwasser und bevölkert von einer kleinen Anzahl von Krokodilen  und des Erdi (Feindland) als fast undurchdringliche Steinwüste, ohne jeglicher sichtbaren Vegetation,  nicht vorhanden Pisten (die Karawanenwege sind teilweise noch immer vermint) und der lauernden Gefahr der Giftschlangen und Skorpione,  befinden sich in vielen Höllen  Zeichnungen und Gemälde aus prähistorischer Zeit.  Ja die Sahara war in früherer Zeit reichlich mit Wasser gesegnet und das Becken des Tschadsees war ein Teil eines Meeres. Aus dieser Zeit stammen auch die reichlichen unterirdischen Süßwasserreserven.

 Ich habe viele neue Erkenntnisse über West- Zentralafrika gewonnen und war erschüttert, dass die Korruption allgegenwärtig ist und das Reisen immer gefährlicher wird. Teilweise ist die Armut, aber im Besonderen die Gier des afrikanischen Menschen (Bantu) dafür verantwortlich. Ein wohltuender Unterschied dazu sind seine  Schilderungen über den Waldmenschen (Pygmäen) in der ZAR.

Fazit:

Spannend, faszinierend und schauerlich, ohne dass das große Bedürfnis aufkommt alles selbst hautnah erleben zu müssen. Tauchen Sie ein in das Buch, es hilft Ihnen auch den „Afrikaner“ besser zu verstehen und warum keiner aus Europa dorthin zurück kehren will.

Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Ennedi-Massiv

https://en.wikipedia.org/wiki/Mourdi_Depression

https://de.wikipedia.org/wiki/Bonobo

https://de.wikipedia.org/wiki/Wolf-Ulrich_Cropp

Buchempfehlung für Mai 2016

Racheherbst

Autor: Gruber, Andreas

Inhalt:

Unter einer Leipziger Brücke wird die verstümmelte Leiche einer jungen Frau angespült. Walter Pulaski, zynischer Ermittler bei der Polizei, merkt schnell, dass der Mord an der Prostituierten Natalie bei seinen Kollegen nicht die höchste Priorität genießt. Er recherchiert auf eigene Faust – an seiner Seite Natalies Mutter Mikaela, die um jeden Preis den Tod ihrer Tochter rächen will. Gemeinsam stoßen sie auf die blutige Fährte eines Serienmörders, die sich über Prag und Passau bis nach Wien zieht. Dort hat die junge Anwältin Evelyn Meyers gerade einen  Fall als Strafverteidigerin übernommen. Es geht um einen brutalen Frauenmord – und eine fatale Fehleinschätzung lässt Evelyn um ein Haar selbst zum nächsten Opfer werden ...

Meine Meinung:

Nach Rachesommer ist dies sein 2. Thriller in der Walter Pulaski Reihe. Obwohl sehr viel kriminalistische Kleinarbeit geschildert wird, ist der Roman kein klassischer Krimi, sondern ein echter Thriller. Gruber verstand es eine teuflische, wahnwitzige, in die Tiefe der menschlichen Psyche gehende Geschichte zu konstruieren und mit dem Spannungspegel zu spielen.  Er versorgt den Leser mit dosiertem Wissen, wie es weiter geht um diesen zappeln zu lassen.  Dies dient zum Spannungsaufbau – man muss unbedingt weiter lesen, will man mehr erfahren. Bei der Protagonistenauswahl  fand er einen guten Mix aus Ansehen, Verwerflichkeit, Opferbereitschaft und Hartnäckigkeit. Besonders angetan war ich vom Umfeld der verschiedenen Tattoostudios, der beschriebenen Rauschgiftszene und allgegenwärtigen Prostitution.  Der Autor hat gut recherchiert  und konnte uns dadurch Einblick in die verschiedenen Milieus geben. Dadurch entstand ein authentischer und somit glaubhafter Zusammenhang der einzelnen Elemente.  Die Geschichte wird auf verschiedenen Ebenen erzählt,  überrascht immer wieder durch unvermuteten Details, Hintergründen und Verdachtsmomenten.  Dabei lässt er uns in  die Gedanken der einzelnen Protagonisten Einblick nehmen -  mit allen Abgründen, Überlegungen und Ängsten.  Gruber schreibt im Stil seines Genres, ohne Floskel und Anleihen an die Hochliteratur. Er kann aber gut erzählen – dadurch sind seine Ausführungen sehr spannend  und verständlich.

Fazit:

Ein Thriller  der Angst macht, aber durch seine Spannung zum Weiterlesen zwingt und den Leser doch einen wenig Hoffnung auf einen guten Ausgang lässt.

Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Gruber_%28Schriftsteller%29

http://www.agruber.com/

Buchempfehlung für April 2016

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke (Alle Toten fliegen hoch, 3. Teil)

Autor: MEYERHOFF, Joachim

Inhalt:

Von einem, der auszog, Schauspieler zu werden – und bei den Großeltern einzieht.

Die Kindheit auf dem Gelände einer riesigen Psychiatrie und das Austauschjahr in Amerika liegen hinter ihm, die Schulzeit hat er überstanden, als vor dem Antritt des Zivildienstes das Unerwartete geschieht: Joachim wird auf der Schauspielschule in München angenommen und zieht zu seinen Großeltern in die großbürgerliche Villa in Nymphenburg. Er wird zum Wanderer zwischen den Welten. Seine Großmutter war selbst Schauspielerin und ist eine schillernde Diva, sein Großvater ist emeritierter Philosophieprofessor, eine strenge und ehrwürdige Erscheinung. Ihre Tage sind durch abenteuerliche Rituale strukturiert, bei denen Alkohol eine wesentliche Rolle spielt. Tagsüber wird Joachim an der Schauspielschule systematisch in seine Einzelteile zerlegt, abends ertränkt er seine Verwirrung auf dem opulenten Sofa in Rotwein und anderen Getränken. Aus dem Kontrast zwischen großelterlichem Irrsinn und ausbildungsbedingtem Ich-Zerfall entstehen die den Erzähler völlig überfordernden Ereignisse – und gleichzeitig entgeht ihm nicht, dass auch die Großeltern gegen eine große Leere ankämpfen, während er auf der Bühne sein Innerstes nach außen kehren soll und dabei oft grandios versagt.

Meine Meinung:

Diesen 3. Teil von Joachim Mayerhoffs Lebenserinnerung habe ich schon sehnlich erwartet. Bereits beim Lesen wird dem Leser bewusst, warum der Autor als Titel den Anfang eines Werther Zitats „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke, die ich hier in meinem Busen fühle“, gewählt hatte. Der Roman, offensichtlich mit viel autobiographischem Hintergrund, ist eine Liebeserklärung an seine Großeltern – ein ungewöhnliches Paar.  Der Großvater wollte ursprünglich Theologe und Priester werden, sattelte aber aus Liebe auf Philosophie um und brachte es bis zum Hochschulprofessor. Sie eine Diva, wie sie im Buche steht, war eine berühmte, erfolgreich Schauspielerin. Das Paar wohnt in einer stattlichen Villa im Münchner Nobelviertel Nymphenburg mit einem genauen und wiederholenden Tagesablauf und beide sprechen den Alkohol reichlich zu. Bereits bei der Morgentoilette wird die  Mundpflege mit Hochprozentigem unterstützt, weiter geht es beim Frühstück mit Champagner, Weißwein zum Mittagessen, „Sechs-Uhr-Whisky, Rotwein zum Abendbrot und der Tag geht zu Ende mit Cointreau. Mit der Aufnahme in die der Otto Falkenberg Schauspielschule zieht der sportliche „Nordmensch“ bei seinen Großeltern ein und wird Teil der großelterlichen Schrullen und  Rituale. Er landet wiederholt stockbesoffen im Bett seines rosaroten Zimmers. Der Autor, der Schauspieler am Wiener Burgtheater ist, schildert die Leiden seines Protagonisten in der Schauspielschule drastisch. Durch die Ichform verstärkt sich die Unmittelbarkeit und Authentität seiner Erinnerungen. Er lässt den Leser teilhaben an seinen Erlebnissen, Qualen, Niederlagen und seltenen Freuden. Da das Buch ein Roman ist, nehme ich an, dass das Erlebte im negativen ausgeschmückt worden ist, weil diese sonst kein Mensch aushält.  

Besonders berührend waren für mich die Schilderungen des Sterbens seiner Großeltern. Dahinter steht viel Liebe zu ihnen, im Besonderen zu seiner Großmutter. Meyerhoff hat sich durch diesen Roman öffentlich bei ihnen bedankt und hat auch sie für ihn für immer in Erinnerung gerufen.

Fazit:

Nach den Lesen diese Buch, kann man die Schrullen von alten Menschen leichter ertragen bzw. hofft, dass man selbst nicht soweit abgleitet – unsere Kinder werden dankbar sein. Gottseidank ist es nur ein Roman.

Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Meyerhoff

http://www.kiwi-verlag.de/buch/ach-diese-luecke-diese-entsetzliche-luecke/978-3-462-04828-5/

Buchempfehlung für März 2016

Reigen des Todes

Autor: Loibelsberger, Gerhard

Inhalt: 

Es ist das 2. Buch einer Reihe von insgesamt 5 Kriminalromanen mit historischem Hintergrund des Wiens am Ende des 20. Jahrhundert.

Wien 1908. Als am Ufer des Donaukanals ein abgetrennter Unterarm entdeckt wird, wittert Gerichtsredakteur Leo Goldblatt die große Story. Doch nicht nur diese mysteriöse Angelegenheit schlägt dem Inspector und ausgewiesenen Gourmet Joseph Maria Nechyba gewaltig auf den Magen, sondern auch die Suche nach dem seit Tagen vermissten Oberstleutnant Vestenbrugg. Bewegung kommt erst in den Fall, als Vestenbruggs abgeschnittener Kopf auftaucht und sich herausstellt, dass er eine junge Geliebte hatte: Steffi Moravec, deren amouröse Fähigkeiten auch andere Herren der Wiener Gesellschaft sehr zu schätzen scheinen …

Die Titel sind: „Die Naschmarkt-Morde“, “ Der Reigen des Todes“, „Todeswalzer“, “ Mord und Brand“ und „Der Henker von Wien“.

Meine Meinung:

In allen 5 Romanen sind die die Hauptprodagonisten der Inspector Josef Maria Nechyba, der Zeitungsredakteur Leo Goldblatt,  adelige Persönlichkeiten und Mitglieder der K. u. K. Militärhierachie.  Der Autor nimmt immer wieder Bezug auf tatsächliche historische Ereignisse und  auf die realen Lebensumstände in dieser Zeit.  Sowohl für das erste Buch „Die Naschmarkt – Morde“ als auch für das beschriebene Buch wurden die historischen Hintergründe gut recherchiert.  Im Reigen des Todes ist der „Todesengel“ Steffi Moravec die tragende Figur des Romans; sie ist gleichzeitig unschuldig naiv und ein ausgeschamtes Luder. Aufgewachsen in einer „Rattenburg“, verlor sie ihre Eltern frühzeitig.  Ein Pfarrer ermöglicht ihr das Erlernen des Lesens und Schreibens in einem von Nonnen geführten Heim.  Ihr Aussehen entsprach den Vorstellungen ihrer vor allem nicht mehr ganz jungen  und zahlreichen Verehrer.  Haben sich die Herrschaften, meist vom“ blauen Geblüt“, mit ihr eingelassen, bekommt sie schnell  Macht über sie und sind ihr rettungslos ausgeliefert.  Ist der eine tot,  folgt gleich der Nächste – sie bringt einfach „Unglück“ über ihre „Gönner“- bis zum finalen unerwarteten Ende.

Der Autor benützt viele Wiener Mundartausdrücke und lokale Eigenbezeichnungen und lässt uns „Eintauchen“ in das Wien der Jahrhundertwende. Er führt uns zu den Märkten, den Gaststätten und Kaffeehäusern, wie Sperl und Landtmannn, in die Kanalisation zu den Unterstandslosen und gibt uns Einblick in die Lebens- und Essensgewohnheiten, sowohl der Adeligen als auch der Bürger.  LOIBELSBERGER lässt sein Inspector viel und gut essen – fast natürlich, dass er auch gerne und fantastisch kochen kann.  Dabei wird die Zubereitung von  alten Wiener Gerichten, welche vermutlich alle aus den Kronländern stammten, in der Sprache der Wiener beschrieben.

Der Schriftsteller nimmt sich heraus einige historische Persönlichkeiten aus dieser Zeit nicht zu mögen.  Aus der Sicht des später Geborenen ist dies verständlich, aber macht einen oberflächlichen Eindruck.  Sozialkritik ist immer angebracht  - für mich ist trotzdem wichtiger, was wir jetzt gegen solche Übelstände machen können.

Fazit:

Fangen sie idealerweise mit den ersten Buch an; dies ist aber nicht unbedingt erforderlich, weil es sich um separate Fälle handelt. Wenn sie neugierig sind, werden sie viel Zeit zum Nachschlagen brauche, aber dabei viel verschüttetes Wissen wieder entdecken.

Links:

http://www.gmeiner-verlag.de/programm/titel/63-reigen-des-todes.html

http://www.loibelsberger.at/

Buchempfehlung für Februar 2016

Was nicht im WEHRMACHTSBERICHT stand…

Autor: SCHRUTKA, Eckart

Inhalt:

Ein Kriegstagebuch der besonderen Art. Eine Sammlung von Kurzgeschichten und Anekdoten   von der Front und darüber hinaus.  Ein Teilbereich  des 2. Weltkrieges wird aus der Sichtweise eines Soldaten dargestellt.  Der Autor berichtet nicht von strategischen, kriegerischen Heldendaten, sondern von den Stärken und Schwächen seiner Kameraden und sich. Von glücklichen Zufällen und tragischen Missgeschicken.

 Meine Meinung:

 Für mich war der Autor völlig unbekannt. Im Zuge eines Gespräches wurde ich von einem Leser unserer Bücherei  auf ihn aufmerksam gemacht.  Er war Lehrer und hat in meiner jetzigen Heimatgemeinde die Hauptschule aufgebaut. Deshalb haben viele Einheimische den Autor persönlich gekannt.

Gleich nach einigen  Seiten habe ich festgestellt, dass das Buch viel anderes ist, als die von mir nicht besonders geliebten Kriegstagebücher mit  der Selbstbeweihräucherung der Autoren.   Schrutka schildert sein „Soldat sein“ vom Beginn bis zu Ende. Er beschreibt alle Begleitumstände seines Tun und Unterlassen, was gemacht werden musste und wie viel Menschlichkeit möglich war. Im Besonderen haben mich die Ausführungen über die zu ertragende Kälte und der latenten Angst beeindruckt. Trotzdem verstand er es seine Eindrücke nicht einseitig dazustellen. Dadurch sind die geschilderten Anekdoten nachvollziehbar und somit glaubwürdig.  Die gewählte Ausdrucksweise und die Ausformulierung der Ereignisse sind einfach und auf das Wesentliche beschränkt; dies bewirkt, dass das ganze Buch schnell und ohne Unterbrechung gelesen werden kann.  Auf Grund der abgeschlossenen Kurzgeschichten, kann man aber jederzeit eine Lesepause einlegen.

Fazit:

Die gesammelten Geschichten und Anekdotensind  gerade für Menschen wie mich, welche den Krieg nicht mehr erleben mussten, geeignet unsere Väter und Großväter zu verstehen.  Sie waren Menschen mit allen Schwächen, aber keine Monster.

Anmerkung:

Vom Autor sind noch zwei Novellen unter dem Titel „Antoinette“ und Der Erzähl- und Gedichtband  „Bunte Kiesel“ bekannt. Leider werden alle Bücher derzeit nicht zum Kauf angeboten.

Eckart SCHRUTKA ist 1921 geb. und 2010 in St. Georgen a. d. G. gestorben.

Buchempfehlung für Jänner 2016

Der Mann der Hunde liebte

Autor:  Padura, Leonardo

Inhalt: Leonardo Paduras vielschichtiger Roman führt uns an verschiedenste Schauplätze der Weltrevolution: ins Bürgerkriegsspanien, nach Moskau während der stalinistischen Schauprozesse, ins Mexiko Frida Kahlos und Diego Riveras, ins Prag von 1968, nach Kuba. In atemberaubender Prosa erweckt er die Protagonisten zu neuem Leben, zeigt sie in ihrer Bereitschaft zur völligen Selbstaufgabe zugunsten einer Ideologie – und zieht die Bilanz der gescheiterten Utopien eines Jahrhunderts. Geheimdienstler, Freiheitskämpfer, Verschwörer und Verbrecher kreuzen sich an den Schauplätzen der Revolution. Die  minutiösen Vorbereitungen zur Ermordung Leo Trotzkis gipfeln in einem furiosen Finale.

Meine Meinung: Padura hat um das finale Ende der Ermordung von Leo Trotzki  in Mexiko einen spannenden, aufschlussreichen und nahe den historischen Fakten stehenden Roman geschrieben.  Dabei schlüpfte er in die verschiedenen Protagonisten und wechselt wiederholt die Schauplätze.  Fast beängstigend für einen Roman sind die Angaben zu realen Personen und tatsächlichen Geschehen. Durch Aufzählen der Namen von Mitstreitern der „Roten Revolution“,  welche bei Schauprozessen im Rahmen der stalinistischen Säuberungen zum Tode verurteilt oder in die Verbannung geschickt worden waren, hat man fast den Eindruck, dass Buch sei eine Abrechnung mit dem  Stalinismus. Gleichzeitig äußerst ein Protagonist sinngemäß, Stalin möge krank gewesen sein, aber bei 20 Millionen Toten, waren 1 Million Morde zur Durchsetzung der erforderlichen Maßnahmen notwendig.  Gleichzeitig beschönigt er die Methoden  von Trotzki vor seiner Verbannung. Er und viele später von Stalin verfolgten und hingerichteten Genossen, waren Mörder und Wegbereiter des Stalinismus, welcher auch nach Stalins Tod weiter lebte.  Um den Autor zu verstehen, muss man sein politisches Umfeld verstehen.  Padura  ist im diktatorischen und kommunistischen Kuba, der Mangelwirtschaft, der Vernaderung und Progression aufgewachsen. Vor diesem Roman brachte er es bereits als Journalist zum Chefredakteur einer namhaften kubanischen Zeitung und mehrere Romane wurden in seiner Heimat verlegt.   Im Besonderen, im dritten Teil „Apokalypse“ hatte ich den Eindruck, dass er sein Schweigen über die Verbrechen unter dem Siegel der sozialistischen Revolution in  Süd- und Lateinamerika rechtfertigen will.  Auch viele Nazis haben sich auf ihre Pflicht, auf Treue und Gehorsam für ihre Verbrechen ausgeredet.  Der Titel ist irreführend, obwohl es auch um Hunde geht.

Dank gilt dem Übersetzter, Hans-Joachim Harstein.  Diesem gelang es die Sprachmelodie aus dem Latino Raum beizubehalten, vielleicht sogar zu erzeugen.

Fazit: Der Roman ist mit so vielen historischen Daten angereichert und sehr spannend erzählt, dass es sich lohnt, weitere Bücher von Padura zu lesen und das Thema nachzuschlagen um sich eine eigene Meinung zu bilden.

Links: https://de.wikipedia.org/wiki/Leonardo_Padura

https://de.wikipedia.org/wiki/Leo_Trotzki

Buchempfehlung für Dezember 2015

Alt, aber Polt

Autor:  Komarek, Alfred

Inhalt  (Klappentext):

 Der ehemalige Gendarmerieinspektor Simon Polt ist zwar schon im Ruhestand, aber deswegen keineswegs aus der Welt. Aus seiner Weinviertler Kellergassen-Welt, um genau zu sein, denn Polt ist jetzt selber unter die Weinbauern gegangen. Jeden ersten Sonntag im Monat lädt er zum geselligen Beisammensein in sein Presshaus. Dort plaudert er mit seinen Altersgenossen aus dem Dorf über den Wein und das Leben, verkostet das ein oder andere Achterl und trauert der guten alten Zeit nach.POLT IST ZURÜCK - UND IST SO SEHR POLT WIE NOCH NIE!
Nach einem dieser Sonntagstreffen wird der nächtliche Heimweg durch die Kellergasse unvermutet zu einem Schauspiel, das Polt gleichermaßen fasziniert und bedrückt. Als er tags darauf vom schrecklichen Ausgang dieses Spiel erfährt, steht er vor einem Rätsel, dessen Lösung er sich eigentlich nicht mehr zutraut.
Aber er will Klarheit, jetzt erst recht. Polt bleibt eben Polt, ist so sehr Polt wie noch nie! EIN AUTHENTISCHES BILD DES WEINVIERTELS UND SEINER KELLERGASSEN

Meine Meinung:

 Ja, ein echter Polt, so wie ihn die Leser mögen.  Obwohl das Buch in das Genre des Kriminalromans fällt,  zeichnet es sich durch das „Erzählen“ und der menschliche Wärme  aus. Da es sich um einen Krimi handelt, muss es natürlich auch einen Toten geben – hier der Tod  einer jungen Frau, fast noch ein Kind. Aber in diesem Buch ist das Beiwerk fast wichtiger. Der Schein des idyllisches kleinen Weinviertler Dorfes trügt – wo Licht ist, ist auch Schatten. Das Zusammenleben der Ortsbewohner, das latente Alkoholproblem, der  auch hier spürbare und sichtbare  Zeitgeist, das Nachtrauern der „guten alten Zeit“ ist gut aufbereitet in der Geschichte verpackt.  Der Autor lässt allen seinen Personen ihre Fehler, ohne diese zu verurteilen. Vielmehr zeigt er Verständnis, Milde und Einfühlungsvermögen. Sein Hauptprotagonist, der pensionierte Gendarm Polt, ist wie bei seinen bisherigen Poltromanen, kauzig, „altbackend“, gutgläubig, aber  sympathisch.  Für mich ist in den Ansichten und Einsichten von Polt auch ein Teil Autobiografisches des Autors wiedergegeben.  Ich begleite  den Autor durch Lesen seiner Bücher seit langer Zeit und hatte dabei den Eindruck seine Protagonisten sind mit ihm alt geworden.

Fazit:

Unbedingt lesen, aber vielleicht noch wichtiger, besuchen Sie das Gebiet um Haugsdorf; die Bevölkerungsentwicklung ist trotz Wegfalls des Eisernen Vorhang weiter gesunken. Wie lange werden sich die Kellergassen in dieser Form noch halten?

Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Haugsdorf

https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Komarek

Buchempfehlung für November 2015

Turrinis Leber

Autor: ALTMANN, Franz Friedrich

Inhalt:

Gucki, Turrini und der g’selchte Pfarrer
Gucki Wurm, die resolute Provinzjournalistin bei den Mühlviertler Nachrichten und ihren trinkfesten Hund Turrini wirft so schnell nichts um; aber was den beiden jetzt passiert, lässt sie einmal tief schlucken: Mitten im Vorweihnachtstrubel findet Gucki die Leiche vom Pfarrer Himmelfreund - sie hängt an einem Fleischerhaken im Kamin vom Kirchenwirt.
Mit seinem Einsatz für Asylwerber hatte sich Himmelfreund im Dorf nicht nur beliebt gemacht. Gerade im Kirchenwirt hätten die Asylanten einquartiert werden sollen. Hat der Mord am Pfarrer also einen politischen Hintergrund? Wollte der Mörder ein symbolisches Zeichen setzen? Oder liegt die Lösung ganz woanders – steckt am Ende gar eine ominöse Frauengeschichte dahinter, von der im Dorf gemunkelt wird? Und welche Rolle spielt bei alldem die Frau Hansi, die Chefin der Dorfdisko "Almrausch"?

Meine Meinung:

Ich habe aus dem Roman im Rahmen einer Veranstaltung „Österreich  liest“ gelesen. Es ist voraussichtlich Altmann  letzter Kriminalroman in der Serie „Turrinis“.

Der Autor verpackt das Thema Ausländerfeindlichkeit geschickt in diesem Krimi. Hintergrund ist, in Österreich sind Asylwerberinnen und Asylwerber eher nicht willkommen. Und wenn ja, dann bitte nicht direkt im Nachbarhaus. Mit Bad Gstetten ist eindeutig Bad Leonfelden gemeint. Bei bezieht sich der Autor auf die Widerstände im Ort gegen eine Flüchtlingsunterbringung.

Die Hauptprotagonistin Gucki und ihr Alkohol schlabbernder Hund Turrini ermitteln in gewohnter Art und Weise im Mordfall Pfarrer Clemens Himmelfreund.

Ein witziger Krimi, wenn auch manch derbe Aussprüche jedes Kapitel einleiten, die inhaltlich alle mit Alkoholkonsum – sprich saufen – zu tun haben. Beschreibungen von Rauschzuständen wie Damenspitz, fett wie ein Häuseltschik, Kampftrinken, angeflaschelt sein und die Herleitung dieser Ausdrücke, bringen den Leserinnen und Leser den Mühlviertler Dialekt auf höchst philosophische Weise näher.

Ein krimineller Heimatroman, wie ihm der Autor bezeichnet, oder ein volkstümlicher Bernhardverschnitt. Leider sind die derben Ausdrücke nicht immer für eine Mühlviertlerbeflegelung im Sinne von  Thomas Bernhard geeignet. Altmann beschreibt aber in diesem, wie auch in seinen anderen  Romanen viele Situationen und Verhaltensformen im  Mühlviertel, wobei das Saufen, wie noch immer in vielen Orten, einen wichtigen Stellenwert hat.

Fazit:

Wegen der aufgezeigten Hintergründe, ein lesenswertes Buch. Einerseits eine Werbung für Freistädter Bier, anderseits auch für eine Therapie (Alkoholentzug) als abschreckendes Beispiel geeignet.

Links:

http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/hoamatland/Der-traurige-Clown;art160787,1550776

https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Friedrich_Altmann

Buchempfehlung für Oktober 2015

Bretonischer Stolz – Kommissar Dupins vierte Fall

Autor: Bannalec, Jean-Luc

Inhalt (Klapentext):

Am malerischen Fluss Belon, dort, wo die weltberühmten Austern gezüchtet werden, zwischen Klippen, Zauberwäldern und dem Atlantik, entdeckt eine eigensinnige alte Filmdiva kurz vor Ostern die Leiche eines Mannes. Nur wenig später erreicht Kommissar Dupin ein Anruf aus den sagenumwobenen Hügeln der Monts d’Arrée, um die sich Legenden von Feen und dem Teufel ranken. Auch dort wurde ein Toter gefunden. Doch niemand kennt seine Identität. Als sich herausstellt, dass die Spuren zu keltischen Brudervölkern, einer Sandraub-Mafia und rätselhaften Druiden-Kulten führen, ahnt der Kommissar: Dies wird sein aberwitzigster Fall.

Mein Meinung:

Hier wird die Bretagne, wie in den vorigen Fällen von Kommissar Dupin, vorgestellt. Der Autor schildert malerisch die Umgebung des Flusses Belon, die bizarre, vom  Wind zerklüftete Landschaft in einem   sagenumwobenen Gebiet im Departemente  Finistère. Natürlich muss es bei Belon um Austern und sonstigem Flussgetier gehen.  Eine  Bretagne ohne den keltischen Ursprung seiner Besiedelung und den damit verbundenen Legenden und erfundenen Geschichten, ohne die von sich eingenommenen Bevölkerung  zu beschreiben ist für keinen erfolgreichen Autor möglich. Bannalec verstand es hervorragend in diesem Umfeld einen stark verästelten Kriminalfall anzusiedeln, welcher das Staunen und die Fantasie der Leser anregt. Dabei geht es über weite Strecken um das Essen und der Zubereitung von Meerestieren, im Besonderen der Austern. Wobei er uns  einen tiefen Einblick in die verschiedenen Arten, deren Herkunft und Aufzucht gibt, obwohl sein Hauptprotagonist Kommissar Dupin gar keine Austern mag.   Der tatsächliche Fall (Fälle) ist raffiniert und fantasievoll konstruiert – ja man hat den Eindruck es wurde ein Grundgerüst errichtet, dann die Zutaten eingefügt und mit der Beschreibung der ortsansässigen Menschen, der Landschaft und „Alles Austern“ angereichert.  Dadurch wäre ein „Schnelllesen“ (Überspringen von Seiten) möglich, ohne den Faden zu verlieren.

Die Story ist gut,  trotzt viel Fantasie auch glaubhaft und nachvollziehbar. Ich mag Krimis, welche auch ein Rundherum haben, aber weniger Austern würden den spannenden Hintergrund der  Geschichte mehr hervorheben.

Fazit:

Ein lesenswerter Kriminalroman. Lesen sie aber die vorherigen Fälle von Kommissar Dupin, vorher oder nachher – sie haben mir besser gefallen.

Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Bretagne

http://www.lovelybooks.de/autor/Jean--Luc-Bannalec-/reihe/Kommissar-Dupin-in-Reihenfolge-1072831870/

https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%A9partement_Finist%C3%A8re

Buchempfehlung für September 2015

Die Stadt der Blinden

Autor:  Saramago, José

Inhalt:

Eine Ampel in einer namenlosen Stadt springt auf Grün. Ein Auto bleibt dennoch stehen. Der Fahrer ist urplötzlich erblindet. Den freundlichen Helfer, der den Erblindeten nach Hause bringt und sich anschließend dessen Autos bemächtigt, ereilt das gleiche Schicksal. Wie eine Epidemie greift die Blindheit um sich. Der Staat reagiert brutal. Die Erblindeten werden in einem leerstehenden Irrenhaus interniert, wo sie sich selbst überlassen werden und die Situation in der notdürftig ausgestatteten Unterkunft entwickelt sich zur Hölle. Die hygienischen Verhältnisse sind unvorstellbar: Es gibt tagelang kein Wasser, frische Kleidung und Wäsche sind nicht verfügbar, ebenso fehlt es an Toilettenpapier etc.; Gestank bis zum Würgreiz liegt über den hilflosen Menschen.

In einer so überreizten Atmosphäre lösen triviale Anlässe erbitterten Streit unter den wie in einem Stall vegetierenden Kranken aus. Es rotten sich Gruppen zusammen: Die Gewaltbereiten unterdrücken und demütigen die Schüchternen. Organisierte Vergewaltigungen und Diebstähle, sogar der rationierten Mahlzeiten, häufen sich.

Doch es gibt eine Sehende unter ihnen, die die Krankheit nur vorgetäuscht hat, um bei ihrem Mann zu bleiben. Mit ihrer Hilfe könnte der Ausbruch gelingen.

Meine Meinung:

 Das Buch (Erscheinungsjahr 1995) hat meine Tochter im offenen Bücherschrank unserer  Bücherei, abgelegt von einer der vielen BenutzerInnen,  entdeckt.  Sie war vom Inhalt und der Schreibweise begeistert.  Mir sagte der Autor vorerst nicht viel. Irgendwo erinnerte ich mich, dass dieser vor einigen Jahren (2010) gestorben ist und dabei wurde auch erwähnt, dass ihm der Nobelpreis (1998) verliehen worden war.  Vorweg es handelt sich um einen philosophischen Roman.  Dabei bedient sich der Autor der fiktiven Verzerrung der Wirklichkeit und die geschilderte humanitären Verwahrlosung und Verrohung überwältigt den Leser mit solch bildhafter Wucht, dass ihm „Schlecht“ wird. Die Schilderungen der Vergewaltigungsszenen sind so erschütternd, dass der Leser die Frau des Augenarztes, nachdem sie den Hauptpeiniger mit einer Schere hinterhältig abgestochen hatte, von jeder Schuld freispricht.  Es geht nicht mehr um  gerechter Notwehr, sondern auch um den moralischen Freispruch.  Saramago verstand es das „ABER“ soweit zu überschreiten, dass  kein Zweifel zurück blieb.  Ich habe mich dabei gut gefühlt,  obwohl ich sonst der Meinung bin, das Individuum  soll nicht über den Tod anderer bestimmen.

Die einfache, durch sparsame Interpunktion (so wird die direkte Rede z.B. nicht gekennzeichnet) schnell voranschreitende Erzählweise, konfrontiert den Leser durch schonungslose Deutlichkeit mit einer entmenschlichten und entwürdigten Gesellschaft.

Fazit: 

Ein Roman in Stil des Philosophen Albert Camus. Ein moralischer Weckruf und Verpflichtung zur „Sinnfrage“

https://de.wikipedia.org/wiki/Jos%C3%A9_Saramago

https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Camus

Buchempfehlung August 2015

Schwarzer Tee und blaue Augen

Autor:  Drißner Gerald

Inhalt (Klappentext):

Von Istanbul zu Noahs Arche -  Das Land zwischen dem Bosporus und der iranischen Grenze, in dem man Sesamkringel zum Frühstück isst und Joghurt in Kübeln kauft, ist uns vertraut und zugleich fremd. Gerald Drißner reist durch Anatolien, wo das Abend- ins Morgenland übergeht und trifft zwischen Istanbul und den kalten Bergregionen des Ostens, zwischen Mittelmeer und Schwarzmeerküste auf ein Gewirr aus Kulturen und Sprachen. Der Autor erlebt eine Gesellschaft, die tief gespalten ist und ihren Platz in der Welt sucht. Mit Augenmaß und Offenheit nimmt er unterwegs wahr, wie die derzeitige Regierung das Land religiöser macht und sich mit der säkularen Jugend anlegt. Wie Naturschutz auf Politik und Geld prallt und wie Kurden sich dagegen wehren, Türken zu werden. Auf seinen Reisen sucht er das Gespräch mit den einfachen Menschen. So lernt er beim Teetrinken, was der "Tiefe Staat" ist, warum der Regierungschef Zigaretten hasst, was Schnurrbärte über Männer verraten und wie blaue Glasaugen vor Unglück schützen. Er besucht ein abgeschiedenes Tal, in dem die besten Schachspieler leben sollen, fährt bis zu dem Berg nahe der armenischen Grenze, an dem die Arche Noah gestrandet sein soll, und in ein Dorf, das sich heute - im wahrsten Sinne des Wortes - gegen seinen Untergang wehrt.

Meine Meinung:

Das Buch ist kein typischer Reisebericht. Die Türkei zu verstehen, ist eigentlich unmöglich, denn das Land ist zu komplex und vielschichtig. Außerdem sind Türkei-Themen emotional sehr aufgeladen, weshalb ich gespannt war, wie der Autor an das Land herangeht. Ich war selbst einige Male in der Türkei auf Urlaub  und beschäftige mich seitdem damit.  Wobei ich jedoch anführen muss, dass ich das „Landesinnere“  nie richtig kennen gelernt hatte. Zuletzt hatte ich den Eindruck, dass sich die Türkische Gesellschaft  nach „hinten“ entwickelt. 

Der Autor reist offen und unvoreingenommen  kreuz und quer durch die Türkei, von Istanbul bis zur Iranischen Grenzen und in die Berge der Kurden.   Drißner beschreibt die einzelnen Landesteile  und die Menschen,  die dort wohnen, arbeiten  oder nur auf „Reise“ sind. Er versteht es die Gegenwart  mit historischen Daten zu verbinden bzw. gegenüber zu stellen.  Dabei hat er die geschichtlichen Daten ausgezeichnet recherchiert. Seine Schilderungen sind vielschichtig und differenziert.  Durch seinen Wortwitz nimmt er den Leser mit zu Interviewen mit Geschäftsleuten,  Aussteigern, einfachen Bauern, Erdoganleuten und seinen Gegnern. Auch seine Beschreibungen der Städte, der Dörfer und des offenen Landes sind sprachlich gut geglückt.  Dass er dabei die türkischen Bezeichnungen einfließen lässt,  finde ich toll.

Fazit: 

Das Buch ist informativ, gut recherchiert und beschönigt daher nichts. Andere  Leser: „Ein Muss für jeden Lehrer mit türkischen  Kindern – nur so kann er diese verstehen.“ „Ich habe weder das Land noch die Türken gekannt.“

Links:

http://www.gerald-drissner.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkei

Buchempfehlung für Juli 2015

Inside IS - 10 Tage im 'Islamischen Staat'

Autor: Todenhöfer, Jürgen

Inhalt: Im Sommer 2014 führte Jürgen Todenhöfer mehrere Monate lang Gespräche mit deutschen Islamisten (via Skype), die sich dem IS-Staat angeschlossen haben. Die Erkenntnisse, die er in diesen Gesprächen gewann, sind mehr als erschreckend und enthüllen die mörderischen Absichten des sogenannten Kalifats, das einen weltweiten Gottesstaat errichten will und dabei auch vor Massenmorden nicht zurückschreckt, selbst unter Muslimen. Nach der Erweiterung Ihres Staates im Nahen Osten, bei der sie die Nachbarstaaten unterwerfen wollen, haben sie Europa und den Westen im Visier.
Im November 2014 fuhr er als bislang weltweit einziger westlicher Journalist in das Zentrum des IS-Staats, nach Mossul, hielt sich dort 10 Tage lang auf und führte weitere Interviews. In seinem Buch beschreibt er eindringlich seine Erlebnisse vor Ort.

 

Meine Meinung:  Ich  stehe Jürgen Todenhöfer und der Art  seines Journalismus kritisch gegenüber.  Im Besonderen  stört mich: um jeden Preis aktuell sein zu wollen. Gleichzeitig verkauft der die Gefahr mit.  Die Idee durch Gespräche  mit menschenverachtenden Personen und einer  Reise in den „Islamischen Staat“  Insiderwissen zu erlangen und darüber ein Buch zu schreiben,  ist davon getrieben der Erste, der Beste zu sein und sich der größten Gefahr ausgesetzt zu haben.

Trotzdem glaube ich, dass das Thema hochaktuell, gut aufbereitet und fair dargestellt wird. Todenhöfer, Scholl-Latour und Orter haben noch einigermaßen ihre Objektivität bewahrt.  Es tut gut, dass es noch Journalisten gibt, welche die massiven Verfehlungen der amerikanischen Regierungen und das Mitläufertum Europa aufzeigen.  Todenhöfer  bringt glaubhaft zum Ausdruck, dass überall dort wo „Amerika“ in der letzten Zeit intervenierte oder mit Kriegsgerät eingefallen ist, sich der Terrorismus entwickelt hatte oder gestärkt  worden ist.  Ich kann mich auch  seiner Meinung anschließen, dass der IS kein Gottesstaat, weder nach den Richtlinien des Islams,  noch einer anderen Religion ist. Ich konnte in den Interviews keine humanen Aussagen erkennen. Es wurden immer wieder die Fakten und Tatsachen verdreht. Obwohl ich den Eindruck gewonnen hatte, dass die Akteure den Koran gelesen haben – verstanden haben sie diesen aber nicht.  Ich bin aber  der Meinung, dass der Islam, ohne zeitgemäße Interpretation (Mohamed war für seine Zeit fortschrittlich, ja sogar revolutionär) des Korans, in einem demokratischen und auf den Menschenrechten passierenden Europa nichts zu suchen hat.  Gott sei Dank gibt es sehr viele gläubige Islamisten, welche ihr Buch zeitgemäß auslegen.

Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Islamischer_Staat_%28Organisation%29

https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Todenh%C3%B6fer

Buchempfehlung für Juni 2015

MONTECRISTO

Autor: Suter, Martin

Inhalt:

Als sein Intercity gewaltsam zum Stehen kommt, ahnt der Videojournalist Jonas Brand noch nicht, in welches Abenteuer er gerade gerät. Die Weiterfahrt ist blockiert, draußen liegt ein Toter. Brand schultert die Kamera, hält die beklemmende Situation fest und befragt die Mitreisenden. Er ist freischaffender Videojournalist, der allerdings von Höherem träumt: Er möchte Filme machen, und sein Projekt »Montecristo«, eine Geschichte über Verrat, Betrug und späte Rache, hat Blockbuster-Potenzial – wenn ihm nur jemand eine Chance geben würde. Als er sich in Marina Ruiz verliebt und sie ihm seine Träume entlockt, rücken diese erneut in den Vordergrund. Knapp drei Monate später spielt ihm der Zufall wieder etwas Seltsames in die Hände: zwei Hundertfrankenscheine mit identischer Seriennummer – beide, wie man ihm bei der Bank verblüfft bestätigt, eindeutig echt. Und dann wird Brands Wohnung durchwühlt und er selbst auf offener Straße zusammengeschlagen und beraubt. Jemand soll offenbar eine Ungereimtheit aus der Welt schaffen – und damit zugleich Zweifel an der Glaubwürdigkeit einiger staatstragender Persönlichkeiten.

Meine Meinung:

Der erste Thriller von Suter.  Dieser Kriminalroman  ist wohltuend zu seinem letzten und verblassten Allmen-Roman. Die spannende Geschichte ist, wie vom Autor zu erwarten war, gut recherchiert, sprachlich jedoch nicht besonders raffiniert – dadurch aber leicht zu lesen.  Die Protagonisten  sind gut beschrieben und man kann sich im Besonderen in den Videojournalisten Brad hineinfühlen.  Die einfach gestrickten Charaktereigenschaften der handelnden Personen sind typisch SUTER und gleichzeitig eine Beschreibung der „Schweizer“.

Die Geschichte ist glaubhaft und aktuell. Auf Grund dieser Umstände fand ich es mit der Dauer des Lesens immer schwerer eine Pause einzulegen.  Dazu hat wahrscheinlich der gezielte Spannungsaufbau beigetragen.

Der Schluss – der Ausgang der Geschichte – war für mich und wahrscheinlich auch für viele andere Leser,  nicht befriedigend.  Dazu muss man aber die Hintergründe des Autors kennen, ein exzellenter Kenner der Schweizer Wirtschaft, welcher mit seinen Satiren immer wieder den Schweizern einen Spiegel vorhält.  Darum bin ich für mich zum Schluss gekommen, dass es in der Wirklichkeit kein anderes  Ende geben kann.  Damit will ich sagen:  Banken,  welche mit dem Geld verfolgter Juden, den Nazischätzen und vielen rechtswidrigen Gelder von Politikern, Wirtschaftsbossen und anderer Glückritter zu Reichtum gekommen sind, haben eine andere Moralvorstellung als die meisten von uns.

Fazit:

Ein leicht zu lesender Thriller, welcher uns das Bankendesaster der Hypo-Adria leichter verstehen lässt.

Links:

 http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Suter

http://de.wikipedia.org/wiki/UBS

Der Staatsstreich der Konzerne

In Deutschland und Europa wächst der Widerstand gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP. Thilo Bode schildert anschaulich und mit analytischer Schärfe, wie TTIP Verbraucherrechte und Umweltstandards gefährdet. Die Konzerne drohen über unsere Zukunft zu bestimmen – stärkere Arbeitnehmer- und Verbraucherrechte hängen ebenso wie ein wirkungsvoller Umweltschutz von ihrer Gnade ab. Dies gilt es mit aller Macht zu verhindern. Thilo Bode zeigt, was sich bei den Geheimverhandlungen zwischen der Europäischen Union und den USA ereignet und was für uns alle auf dem Spiel steht.

Marlene Dietrichs - Bilder einer Berüzmten Zeitgenossin

Polgar, Alfed

Das Buch ist erst nach 75 Jahren, nach dem es der intime Freund Alfed Polgar geschrieben hatte, das erste Mal erschienen.

Der Nibelungen Untergang

Autor:  STEITNFEST, Heinrich

Storyboard: DE RIJN, Robert

Inhalt:

Die »Nibelungen« sind ein Breitwand-Stoff, mit allem, was dazugehört: starke Helden, schöne Frauen, scharfe Schwerter, schweres Gold. Deshalb erzählen Heinrich Steinfest und Robert de Rijn die alte Geschichte auch ganz modern als Film, in einem rasanten Storyboard. Das Kopfkino bringt es ans Licht: Blonder Superheld Siegfried? Eher dunkel, eher klein, dafür vom Größenwahn beseelt, eher so der Typ Tom Cruise. Liebliche Maid Kriemhild? Rasende Rächerin viel eher. Finsterling Hagen? Der einzige, der eine Ahnung davon hat, was er tut, auch wenn es Verbrechen sind. Königinnen-Streit in Worms? Eher Zickenkrieg auf der Kirchentreppe. Und Nibelungentreue? Rücksichtslos durchgesetzte Gefolgschaft. Wo muss das alles enden, wo endet es immer, und mit einem Sog, dem sich noch kein Hörer und Leser der Geschichte je entziehen konnte? Im Untergang.

Meine Meinung:

Das etwas andere, ja viel andere Buch.  Ein Auszug – eine Kurzfassung der Nibelungensage, vielleicht eine satirische Abrechnung mit dem Nibelungenkult?  Ich kann dem Kult  (Nibelungensage, Nibelungenlied und Ring des Nibelungen) nicht viel abgewinnen, ohne die Oper von Richard Wagner zu schmälern. Das Heroische in Verbindung mit Mystik und der geschilderten Superlativen ist nicht meins und auch nicht zeitgemäß.

Steinfest erzählt die gleichen Geschichten, aber in Kurzform mit Seitenhieben auf textliche Ausschweifungen und Übertreibungen der Urform; ich behaupte der vielen Ausartungen der Nibelungensage. Er bereite die wiederkehrenden Unmöglichkeiten satirisch auf – gibt sie der Lächerlichkeit des Lesers preis.  Die „Helden“ zeigt er so wie sie waren: Angeber,  Feiglinge, Verbrecher, Intriganten, rücksichtslose, hinterhältige Machtmenschen, ohne tatsächliche Sympathiewerte.  Dabei  überlässt er es dem Leser wie viel dieser von der Urfassung für seine Bilder im Kopf mitnehmen will.  Für mich hat das Buch neue Erkenntnisse bezüglich Aufbereitung eines Themas gebracht. Die Art und Weise dieser Aufbereitung und Vorgangsweise haben mir besonders gefallen.

Die Zeichnungen von Robert De Rijn sind sehr ausdrucksstark, haben aber zu meinen Bildern im Kopf nicht viel beigetragen.

Fazit:

Unbedingt lesen zumal die „Geschichte“ bekannt ist, aber ganz anders erzählt wird.

Link:

http://deutschland-im-mittelalter.de/Kuenste/Literatur/Nibelungen

http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungensage

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Ring_des_Nibelungen

Buchempfehlung für April 2015

IRGENDWANN KOMMT ALLES ANS LICHT

Autor: PARSON, Walther

Inhalt (Klappentext):

Vierzig Tatorte. Eine DNA: Beim brutalen Überfall auf einen vietnamesischen Edelsteinhändler bleibt eine schwarze Spielzeugpistole liegen. In der kleinen Wohnung einer kaltblütig ermordeten Rentnerin in Rheinland-Pfalz wird eine geblümte Tasse sichergestellt. In einem dunklen Waldstück in Gerolstein eine Heroinspritze. Auf all diesen Gegenständen findet sich dieselbe DNA eines Phantoms – und an 37 weiteren Tatorten in Mitteleuropa.

In schwierigen Fällen wie diesen wird Walther Parson zurate gezogen. Selbst das FBI bittet den international renommierten Genetiker regelmäßig um seine Expertise. Erstmals gewährt Parson nun Einblick in sein Labor: Er erzählt, wie das Phantom enttarnt wurde, wie er die vermissten Zaren-Kinder Romanow identifizierte und wie er das Rätsel um den Schädel Friedrich Schillers löste. Spektakuläre Fälle, die alle eines bezeugen: Die Wahrheit kommt immer irgendwann ans Licht.

Meine Meinung:

Ein hochkomplexes Sachbuch über Forensik, im Besonderen in Bezug auf die DNA (Desoxy Ribonucleid Acid).  Das Thema ist gut aufgearbeitet. PARSON, ein  weltweit anerkannter Wissenschaftler, Leiter des Forschungsschwerpunktes "Forensische Molekularbiologie" am Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck, versteht  es die schwierige Materie auch den Laien verständlich zu machen. Er gibt am Beginn Einblick in die Funktionen, die Wirkungen und den Mechanismen der DNA; welche Möglichkeiten und wissenschaftliche Chancen sie uns ermöglichen und wie vielschichtig diese sein können. An Hand von verschiedenen praktischen Anwendungen (Fällen) erklärt er die Vorgangsweise der Bestimmung und Abgleichung  von DNA-Spuren. Dadurch werden die normalerweise trockenen Materien der Medizin, Biologie und Biochemie auch für Nichtfachleute gut lesbar und wecken Interessen.

Obwohl ich bereits berufliche Erfahrung mit DNA-Spuren, deren Verwertung und Aussagekraft hatte, waren mir viele Details und Fakten nicht bekannt bzw. ich kann diese jetzt besser verstehen.

Besonders günstig finde ich das angeschlossene Glossar. Hier werden die Fachbegriffe gut verständlich und ausreichend erklärt.

Fazit:

Das Buch habe ich über Empfehlung meines Hausarztes gelesen. Dabei habe ich den Eindruck gewonnen, dass es auch für uns Laien verständlich und interessant geschrieben ist und das Sachbuch daher für die Öffentliche Bücherei Ried/Rdm angekauft.

Es ist davon auszugehen, dass die  DNA von Menschen verschieden sind, außer von eineiigen Zwillingen – und auch da gibt es minimale Abweichungen. „Inspektor DNA“ der beste Polizist.

Links:

http://gerichtsmedizin.at/institut.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Desoxyribonukleins%C3%A4ure

Buchempfehlung für März 2015

Die Waffen nieder

Autorin: Bertha von Suttner

Inhalt :

Komtess Martha Althaus, die spätere Gräfin Dotzky, gehörte zu jenen jungen Frauen der Wiener Hocharistokratie  ab Mitte des 19. Jahrhunderts, die alles hatten, was sie nur begehren konnten: Reichtum, Rang und Liebe. Nach kurzer Ehe jedoch verliert sie den Mann und Vater ihres Kindes „ans Vaterland“ in Italien, wo Österreich gegen Sardinien und Frankreich kämpft. Sie wird daraufhin zu überzeugen Pazifistin. Ihr 2. Mann, Baron Friedrich Tilling, teilt ihre Ansichten. Er selbst Offizier in der Armee Österreich, nimmt aber in der Folge am Deutsch-Dänischen Krieg und am Krieg Preußen gegen den Deutschen Bund teil. Marthas Geschwister sterben an den Folgen der durch den Krieg bedingten Cholera. Auch ihr Vater, ein pensionierter General, welcher voll Pathos den Krieg verherrlichte,  stirbt im Gram über den Verlust seiner Kinder. Ihr Mann zieht sich daraufhin aus der Armee zurück.  Beim Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges halten sich die beiden in Paris auf und ihr Mann wird in der Folge als preußischer Spion verdächtigt und standrechtlich erschossen.

Meine Meinung:

Die Autorin, selbst aus einer Adelsfamilie stammend, ging es in diesem Roman um die Sache, ihr Anliegen war aufzuzeigen, dass Kriege nur Leid für die Menschheit bringen und Streitigkeiten zwischen Ländern anders gelöst werden müssen.  Darum handelt es sich um einen Tendenzroman, jedoch  mit dem Hintergrund der „ Wiener Moderne“.  Im Gegensatz zu Schnitzlers „Leutnant Gustl“ spüre ich hier noch etwas Biedermeier, im Besonderen  Stifter.

Durch die Form des Ich-Erzählens ist der Roman leicht zu lesen. Ich war überrascht, dass ich einen gewissen Gefallen am geschilderten Leben des Hochadels in Wien gegen Ende des 19. Jahrhunderts fand. SUTTNER hat ihre Botschaft in die Form eines Romans gepackt und nicht ein Sachbuch geschrieben, weil sie sich dadurch einen besseren Zugang der Menschen  zur Sacher erwartet hatte.  Wer würde die nüchternen Fakten, ohne Ummantelung, ohne Farbtupfer und dem aristokratischen Firlefanz  wohl aushalten. Ihre Erkenntnisse sind für heute, nicht nur von historischem Interesse, sondern auch für uns nach über 100 Jahren aktuell. Dazu möchte ich das Zitat anführen:

 Keinen vernünftigen Menschen wird es einfallen Tintenflecke mit Tinte, Ölflecke mit Öl wegwaschen zu wollen. Nur Blut soll immer wieder mit Blut abgewaschen werden.

Fazit:

Das Buch nicht nur lesen, sondern die Botschaften erkennen.  Diese sind in der heutigen Zeit, Deutschland wird – siehe Ukraine – wieder zum Kriegstreiber, nach wie vor gültig. Der Roman soll im Besonderen von Jugendlichen gelesen und über den Inhalt in der Schule diskutiert werden.  Ich habe diesen als  ebook gelesen und er kann über das „Projekt Gutenberg“ frei heruntergeladen werden.

Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/Bertha_von_Suttner

https://www.gutenberg.org/wiki/DE_Hauptseite

Buchempfehlung für Februar 2015

Reise in den Himalaya

-Geschichten fürs Handgepäck-

Herausgegeben von Alice Grünfelder

Inhalt:

21 verschiedene Geschichten mit Bezug zum Himalaya, von verschiedenen, in der Region geborenen Autoren.  Unter anderen Tenzing  Norgay,  welcher mit Edmund Hillary  1953 als Erster den Mount Everest bestieg. Die Autoren, welche hier vorgestellt werden, gehören verschiedener Volkgruppen, Kulturen und Religionen an.  Sie erzählen aus ihrer Sicht das „Wunder der heiligen Berge“  oder wie wir sie sehen wollen und berichten von Spiritualität, Alltag, politischen Umwälzungen und religiöser Mythen. Aber allen ist gemeinsam, der Himalaya, wo der Himmel die Erde berührt, ist  ein besonderer Ort, eine Überwelt;  gestern, heute und morgen.

Eine Auflistung der einzelnen Geschichten können Sie über den Link – Unionsverlag abrufen.

Meine Meinung:

Auf Grund der verschiedenen Autoren ist der Inhalt vielschichtig. Sie lassen uns Einblicken in den Himalaya im wörtlichen Sinn nehmen. Fast jeder Autor hat es verstanden seine Sicht authentisch zum Ausdruck zu bringen. Die Vielschichtigkeit der Ausdrucksweise (Dank gebührt auch den Übersetzern) war für mich eine Bereicherung.  Ich war erstaunt, wie wenig ich von diesem Bereich unserer Welt weiß und wie viele falsche Informationen in Europa und auch in der übrigen Welt im Umlauf sind. Besonders angetan war ich von „Mondschein um den Trishul“ vom bengalischen Autor Kumar Sanyal Prabodh und von der Geschichte des Inders Parash Moni Das „Die Jagd auf das Wildschaf“.  Beide Autoren versehen sich auf die Kunst des Erzählens – sie lassen uns dabei sein.

Weiters gefiel mir die Karte im Einband – durch sie konnte man die Geschichten auch örtlich zuordnen.

Fazit:

Ein Buch, das uns die Gelegenheit gibt, asiatische Schriftsteller kennen zu lernen und Lust mach mehr von ihnen zu lesen.

Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/Himalaya

http://www.himalaya-info.org/

http://www.unionsverlag.com/info/title.asp?title_id=2464

Buchempfehlung für Jänner 2015

ALLES ROT – Ein Mira-Valensky-Krimi

Autorin: Rossmann, Eva

Inhalt (Klappentext):

Sie treiben ein mörderisches Spiel mit Angst und Gier. Doch überleben können wir nur gemeinsam.

ZYPERN. Sonne, Meer und Urlaubsidylle. Aber seit die größten Banken zusammengebrochen sind, kann der Zorn auf die EU jederzeit aufflammen.

WEINVIERTEL. Dem Schauspieler Paulus Reisinger liegt seine kleine Gemeinde Bruckthal sehr am Herzen. Sein Jugendfreund Schwarzenberger hat offenbar gute internationale Kontakte.

BRÜSSEL. Der EU-Kommissar schätzt Dagmar Wieser, seine Task-Force-Leiterin für Zypern. Andere sehen in ihr die Statthalterin des Bösen.

„OTHELLOS ERBEN“ heißt Reisingers Theaterstück über Vertrauenskrisen und ihre fatalen Folgen. Seine internationale Truppe tourt durch Europa.

Die Journalistin Mira Valensky ist in Zypern, als EU-Task-Force-Leiterin Dagmar Wieser erschlagen aufgefunden wird. Ihr Freund Paulus Reisinger ist am Boden zerstört. „Sie hassen uns!“, „Rachemord!“, hetzen europäische Zeitungen. In Nicosia wird demonstriert. Doch dann tauchen heiße SMS-Botschaften der Karrierebeamtin auf.

Barkeeper Pete hört in erster Linie zu. Vor dem Crash war er einer der führenden Banker. Er flüstert Mira, dass Schwarzenberger und die Gemeinde Bruckthal in Spekulationsgeschäfte verwickelt seien.

Gemeinsam mit ihrer Freundin Vesna Krajner versucht sie hinter das mörderische Spiel von Sein und Schein zu kommen …

Meine Meinung:

Der Krimi ist im Umfeld der EU-Finanzkrise und dem Bankencrash in Zypern angesiedelt. Eingebettet ist das eher unbedeutende Theaterstück „Othellos Erben“, frei nach Shakespeare, welches von der EU-gefördert, völkerverbindend wirken soll, durch Europa tingelt und auch in Wien Station macht. Der Leiter dieser Truppe, Paulus Reisinger, ehemals Fernsehkriminalkommissar und „Nebenbeibürgermeister“ einer kleinen Waldviertler Gemeinde, einer der Protagonisten, ist mit der Hauptperson, der Journalistin Mira Valensky, befreundet.

Nachdem uns die  Schriftstellerin, wie gewohnt mehrere Nebenrollen und Nebenschauplätze vorstellt, gibt es plötzlich  in Zypern eine Tote –  die deutsche EU-Taskforce-Leitner Dagmar Wieser,  welche mit Reisinger liiert war, und die Geschichte wird zum Krimi. Dabei sind die Schilderungen von Rossmann über die Hintergründe und dem „Rundherum“ bedeutender als die wirkliche Faktenlage. Auf Grund des Fehlens eines eindeutigen Motives, gibt es viele Verdächtige und man geht sogar von einem Rachemord eines EU-Hassers aus. Aber auch Reisinger, welcher mit Kopfschuss aufgefunden worden war, aber gerettet werden konnte,  ist verdächtig. Die Beschreibung des Umfeldes – Bankenpleiten, Spekulationen, Geldwäsche, Verarmung der Bevölkerung, EU-Kontrollen und andere Zwangsmaßen, welche nicht nur die Zyprioten betreffen, ist interessant und einleuchtend. Die Autorin hat es verstanden ein Feindbild in der Person von Schwarzenberger aufzubauen. Leider, hat sie die Gier von  Reisinger und  Co, als benützte und für das Gesamtwohl handeln wollende Personen beschrieben.

Fazit:

Das Buch ist wunderbar zu lesen. Die Autorin hat es verstanden eine spannende aber realistische Geschichte zu schreiben. Für einen richtigen Krimi hat es aber nicht gereicht.  Da ich schon viele Bücher von Rossmann gelesen habe, habe ich dies auch nicht erwartet – mir ist bei ihr das Beiwerk wichtig.

Links:

http://www.evarossmann.at/

http://www.literatur-blog.at/2014/08/eva-rossmann-alles-rot/

Buchempfehlung für die 52. Woche

Kinderbuchserie „ Der kleine Drache Kokosnuss“

Unter dem angeführten Serientitel sind bereits 22 Bände erschienen; hier wird der letzte Band  „Der kleine Drache Kokosnuss und sein Arktis Abenteuer“ vorgestellt.

Autor: SIEGNER, Ingo

Inhalt:

Kokosnuss, Matilda und Oskar trauen ihren Augen nicht, als ein verletzter und ausgehungerter Eisbär auf einer schmelzenden Eisscholle an den Strand der Dracheninsel gespült wird. Nachdem Matilda Björns Pfote geschient hat und Kokosnuss den Gast mit Leckereien aufgepäppelt hat, wird der Eisbär schon bald von Heimweh geplagt - auf der Dracheninsel ist es viel zu warm! Da beschließen die drei Freunde, Björn an den Nordpol zu begleiten. Ein neues Abenteuer beginnt ...

Meine Meinung:

Der Text und die Illustration ist Ingo SIEGNER, wie bei den vorherigen Serienbüchern, hervorragend gelungen. Das Buch ist für unsere  jüngeren Leser (Vorlesebuch, Erstleserbuch). Die drei Freunde bewältigen in diesem Buch wieder ein aufregendes Abenteuer.

Die Buchserie wird im Besonderen von unseren Erstlesern,  auf Grund der Illustration und der spannenden Geschichten geliebt. Gleichzeitig werden die Kinder durch die Geschichten auf Umweltgefahren, Klimaerwärmung u. dgl.  aufmerksam gemacht.

Fazit:

Durch die Serie „Der kleine Drache Kokosnuss“ wird nicht nur die Lesekompetenz,  sondern auch das soziale Verständnis von Kindern gefördert. Daher hat die Öffentliche Bücherei Ried/Rdm die gesamte Serie zum Ausleihen.

Links:

http://www.buecher.de/rubrik/buecher/der-kleine-drache-kokosnuss/01135719/

http://de.wikipedia.org/wiki/Ingo_Siegner

Buchempfehlung (?) für die 51. Woche

VOLLIDIOT

Autor: JAUD, Tommy

Inhalt (Klappentext):

Simon Peters aus Köln, 29 Jahre alt, T-Punkt-Verkäufer. Im Laden tappt er in jedes Fettnäpfchen. Zu Hause droht Putzfrau Lala, ihn mit einem gackernden Business-Huhn zu verkuppeln und im Fitnessstudio lauert ''Popeye'', die Killerschwuchtel.
Dabei hat er sich doch endlich mal so richtig verliebt: in Marcia P. Garcia, die Milch aufschäumende Traumfrau aus dem Starbucks gegenüber.
Nur eine winzige Kleinigkeit steht einer romantischen Hochzeit in der Karibik noch im Wege: Er müsste Marcia vielleicht doch einmal ansprechen.

Meine Meinung:

Die Titelfigur Simon ist ein „richtiger Vollidiot“. Der Autor schildet uns einen unsympathischen, hinterhältigen, egoistischen Versager. Diese Person, namens Simon, kann der Leser nicht mögen, ja er hat sofort Aversionen und ist ihm seine Erfolglosigkeit bei Frauen vergönnt.

Obwohl ich irgendwo gelesen hatte, dass es bei der angeführten Geschichte um einen „Männerroman“ handeln sollte, wird ein negatives Bild von der Gesamtheit dieser Spezies unterschwellige zum Ausdruck gebracht. Der Autor weiß wie man Pointen setzt, sie gekonnt verdreht und diese in verschiedenen Formen wieder aufgreift. Immer mit dem Ziel die Männerwelt im Allgemeinen nicht siegreich auftreten zu lassen. Apropos, auch der holde Weiblichkeit werden von Autor generell negative Eigenschaften unterstellt. Sein Erzählstil suggeriert uns, dass er Wichtiges mitzuteilen hat und der Leser daher unbedingt weiterlesen soll, obwohl die Story selbst unbedeutend ist. Durch diese Umstände und der fortlaufenden Witze war das Buch gut lesbar und ich fühlte mich unterhalten.

Was will JAUD mit dieser Geschichte dem Leser sagen? Ich hatte den Eindruckt, dass er ein „Warmduscher“ ist, und er der Meinung ist, dass ein Großteil der Männer sich so verhält. Natürlich haben solche Männer  Schwierigkeiten beim weiblichen Geschlecht zu landen.

Fazit:

Ich war mir nicht sicher, ob ich das Buch auf Grund der tenzenziösen Schreibweise empfehlen sollte. Ausschlaggebend waren aber der Wortwitz und die erforderliche Toleranz gegenüber anderer Sichtweisen.

Links:

http://tommyjaud.de/vollidiot-das-erste-buch/

http://de.wikipedia.org/wiki/Tommy_Jaud

Buchempfehlung für die 50. Woche

Die Statisten

Autor: NAGARKAR, Kiran 

Inhalt (Klappentext):

 Aus dem Englischen von Giovanni und Ditte Bandini. Das Bombay der 60er- und 70er-Jahre ist der Schauplatz von Kiran Nagarkars neuem Roman "Die Statisten", einem satirischen Heldenroman im Rabelais'schen Sinne.
Ravan arbeitet als Taxifahrer, Eddie als Rausschmeißer in einer illegalen Kneipe. Aufgewachsen in den Chawls, den vier- bis fünfstöckigen Mietskasernen Bombays, sind beide elektrisiert von der Glitzer- und Glamourwelt Bollywoods und der westlichen Rockmusik.
Während Ravan mit seiner Hochzeitsband regelmäßig um die Gage geprellt wird, ist Eddie, der gemeinsam mit seiner hinreißenden angloindischen Freundin Belle die "Bandra Bombshells" gründet, nicht wesentlich erfolgreicher. Ihre Versuche, der Enge ihrer hinduistischen und katholischen Familien zu entfliehen und im Musik- und schließlich im Filmbusiness Fuß zu fassen, sind von Rückschlägen und Scheitern begleitet, doch sind sie unbezähmbar in der Zuversicht, ihre Träume zu verwirklichen.

Meine Meinung:

Die beiden Protagonisten Ravan – ein Hindu und Eddie – ein goanischer Katholik sind  Nichtsnutze, Dilettanten und Träumer.  Beide wollen aus der Enge ihrer Familie ausbrechen – ein gefeierter Star sein. Nagarkar  lässt die beiden Hauptfiguren einige Abenteuer  erleben, Gefahren umschiffen, ja im Gefängnis landen, aber er hilft ihnen auch immer wieder auf die „Beine“.  Er beabsichtigte vermutlich dabei, dass der Leser mit Ravan und Eddie mitleidet. Der Autor, welcher seine Heimatstadt Bombay liebt, lässt uns in das Völkergemisch, den Ethnien- und Religionsdschungel dieser indischen Großstadt eintauchen. Er schildert alle Abgründe, Besonderheiten und die durch Not oder Gier  geborene Verdorbenheit der  Inder. Bei  Nagarkar  geht es humorig, satirisch und bissig zu,  ummantelt von den Problemen der großen Korruption, der Wertigkeit der Frauen, der Aussichtslosigkeit der Jugendlichen und dem Zusammenleben der Volksgruppen und Religionsgemeinschaften.  Da ist es nicht verwunderlich, dass viele Jugendliche den großen Traum  von der Glitzer- und Glamourwelt Bollywoods oder auch  von Hollywood haben, aber Statisten des realen Lebens bleiben und enden wie Ravan und Eddie als Taxifahrer und Automechaniker.  

Das Ende des Buches ist der Wirklichkeit etwas entrückt, es führt uns in die Märchenweld des indischen Filmes a la Bollywood. 

Fazit:

 Nagarkar  ist eine fabelhafter Erzähler, er spielt sowohl mit der Ausdrucksweise als auch mit den  „Zutaten“ und setzt diese  sowohl dosiert als auch mit voller Wucht ein.  Dadurch bleibt, das Buch auch für Leser, welche mit der Glitzerwelt von Bollywood nicht zu tut haben wollen, bis zum Schluss spannend und amüsant.

Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/Kiran_Nagarkar

http://www.suedwind-buchwelt.at/

 

Buchempfehlung für die 49. Woche

Der  ONKEL FRANZ – oder die Typologie des Innviertlers

Autor:  RANZENBERGER, Klaus

Inhalt:

Wie Friedrich Torberg seine legendäre Tante Jolesch, gibt uns Klaus Ranzenberger seinen Onkel Franz an die Hand. Wohnhaft im schönen Innviertel, bringt er uns diesen Landstrich und seine liebenswerten Menschen näher. Er nimmt uns mit an Schauplätze wie den Stammtisch oder den Markt und gibt uns Einblick in Anekdoten und den Innviertler Sprachgebrauch. Auch autobiografische Erinnerungen des Autors fließen ein und zeichnen so ein höchst vergnügliches Sittenbild.
An das unbeugsame gallische Dorf erinnert es, dieses Innviertel. Eine Genussregion ist es, geprägt von landschaftlicher Schönheit und reichem kulturellem Erbe. Und die Heimat eines bemerkenswerten Menschenschlages.
Der Onkel Franz nimmt Sie mit auf eine Reise, die Land und Leute mit viel Humor und Herz beschreibt. Gönnen Sie sich das Vergnügen!

Meine Meinung:

Der Autor beschreibt das „Wesen“ und die Art des Innviertlers, der geprägt ist von der weite des Landes und der Entfernung zum Zentralraum. Er versteht sich mit dem Fremden besser als mit seinem Nachbarn  - dem Niederbayern. Vielleicht, weil er ihm so ähnlich, ihm so nah ist, oder will er sich nicht in den Spiegel blicken? Der Urinnviertler, ich kenne 2 solcher Exemplare,  ist, wie der Mühlviertler, ein sympathischer Mensch  mit seinen Kannten und Eigenheiten. Ranzenberger, selbst eine solche Spezies, versteht es ausgezeichnet seine Ortsverbundenheit, seine konservative Einstellung, die Skepsis  zu zeitgeistigen Erfindungen und seine Stammtischbesessenheit auf liebenswürdige Weise zu beschreiben. Dabei ist es dem Autor gelungen anhand des Innviertler Dialektes in die Tiefe der Ausdrucksweise dieser Menschen einzutauchen. Auch der Humor kommt in diesem Buch nicht zu kurz, wie: Ein Marktbesucher sagt zum Franzl: „i geh aufi zum Doktor, gehst mit?“ „Na“, hat der Onkel Franz gesagt, „Heit ned, heit bin i ned guat beinand!“ *

Fazit:

Es ist ein interessantes  unterhaltsames Buch, welches uns Einblick in die Wesensart des Innviertlers gibt, ja zum Teil in die „Oberösterreichische Seele“ blicken lässt. Die Schreibweise mancher Dialektausdrücke ist gewohnheitsbedürftig.

*original aus dem Buch entnommen

Links:

http://www.pustet.at/content.php?id=33&art_id=361

http://www.lovelybooks.de/autor/Klaus-Ranzenberger/

(Buchtipp von Rudolf AISTLEITNER)

Buchempfehlung für die 48. Woche

DER LOTTOSPIELER – ODER VON DER GLÜCKSELIGKEIT DES GELDES

Autorin: REICHL, Eva

Inhalt:

Josef Klotz gewinnt im Lotto vier Millionen Euro und steht plötzlich vor der Frage, ob und wie er das Geld zwischen seiner Familie und seinen Freunden aufteilen soll. Durch das Geld verändert sich aber nicht nur sein Leben, sondern auch das Verhalten seiner Mitmenschen. Klotz’ jüngste Tochter wirft ihr Betriebswirtschaftsstudium hin, weil eine Millionärstochter nun wirklich nicht mehr zur Schule gehen muss. Der Schwiegersohn beklaut den Schwiegervater und die Ehefrau blüht im Schein des Geldes auf wie eine Rose nach einem langen Winterschlaf – jedoch ohne Klotz. Und seine Freunde, tja, die …

Meine Meinung:

Ich kenne alle veröffentlichten Werke der Autorin; ihre Krimis als auch die Kinderbücher.  Obwohl sie bei diesem Buch das Genre gewechselt hat, war ich vom Inhalt nicht überrascht. Gottseidank muss man sagen, weil man diesbezüglich von anderen Autoren etwas anderes gewöhnt ist.

Sie blieb ihrer kritischen Einstellung und der satirischen Übertreibung treu. REICHL ist eine ausgezeichnete Beobachterin – ich glaube nicht, dass sie die Eigenschaften ihre Protagonisten erfunden hat.  Jeder kennt sicherlich Menschen mit ähnlichen Eigenschaften und ein wenig können wir uns auch selbst in einer der Figuren erkennen.  Auch wir sind „Normalbürger“ – haben eigentlich alles was wir brauchen, trotzdem träumen wir von einem hohen Lottogewinn.

Das Buch ist spannend wie ein Krimi und den einzelnen Protagonisten hat sie eine „Seele“ eingehaucht, oder sind sie bereits vom Teufel besessen?

Der Schluss wollte fast ein Krimi werden; war es ein Traum, nur ein Unfall oder doch Mord?

Fazit:

 Eine spannende und amüsante Geschichte.  Ich habe die letzten beiden Lottoziehungen ausgelassen.

Links:

http://members.aon.at/eva.reichl/home.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Eva_Reichl

(Buchtipp von Rudolf AISTLEITNER)

Buchempfehlung für die 47. Woche

DER FLUCH DER BÖSEN TAT

Autor: SCHOLL-LATOUR, Peter

Inhalt:

Alle reden vom NSA-Skandal, doch nicht minder skandalös ist die von westlichen Geheimdiensten gesteuerte Desinformation zur Lage in Syrien und anderen Ländern des Vorderen Orients. Wie keine zweite ist diese Region gebeutelt durch jahrzehntelange politische und militärische Interventionen des Westens, die allesamt mehr Fluch als Segen waren. Eindringlich schildert Peter Scholl-Latour, dem diese Länder seit sechzig Jahren vertraut sind und die er erst jüngst wieder bereist hat, das Durcheinander ethnischer, religiöser und ideologischer Konflikte, die die Völker zwischen Levante und Golf nicht zur Ruhe kommen lassen. Es gärt und brodelt überall: Syrien versinkt im blutigen Bürgerkrieg aller gegen alle, in der Türkei ringen islamistische und säkulare Kräfte um die Vormacht. Der Atomkonflikt zwischen Iran und Israel schwelt weiter, die Einmischung iranischer Schiiten wie saudischer Wahabiten in die Konflikte der Region nimmt zu. Ägypten ist in Daueraufruhr, und auch am Nordrand dieser unruhigen Weltgegend, im Kaukasus und in der Ukraine, ist die Lage explosiv. Mit der ihm eigenen Unbestechlichkeit beleuchtet Peter Scholl- Latour diese unselige Weltregion, über der ein Fluch zu liegen scheint.

Meine Meinung:

Es ist ein Sachbuch, das uns die Augen öffnet.  SCHOLL-LATOUR ist nicht immer hundertprozentig objektiv, aber ehrlich genug um seine Sympathien und Antipathien einzugestehen. Er hat ein bewegtes Leben hinter sich. Auf diese Erfahrungen greift er in diesem Buch zurück.  Das Hauptaugenmerk liegt jedoch im Konfliktherd Syrien/Irak/Iran. Er zeigt die Machenschaften der saudischen Wah(h)abiten und der türkischen Sunniten auf.  Das Wohlwohlen der Sunniten gegenüber den Terroristen in Syrien, welche auch gezielt über die Türkei nach Syrien eingeschleust werden.  Der Autor weist immer wieder auf die Blödheit  und das Unverständnis für andere Kulturen  der Amerikanern und Europäer hin. Außerdem geißelt er die Desinformation durch Amerika und Israel. Dadurch werden fast alle Journalisten gleichgeschaltet.  Davon konnte ich mich heuer bei einer Iranreise selbst überzeugen. Warum bleibt man nicht bei der Wahrheit? , sie ist schrecklich genug!

Auf Grund der vielen orientalischen Namen und dem Springen in der geschichtlichen Abfolge ist das Buch nicht leicht zu lesen, zumal es auch von Wiederholungen nicht gefeilt ist.

Fazit:

Wer mehr wissen will, als die amerikanische Propaganda, der muss sich die Zeit nehmen um das Buch zu lesen.  Oder sind wir dazu bereits zu bequem?

Link:

http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Scholl-Latour

http://de.wikipedia.org/wiki/Syrien

(Buchtipp von Rudolf AISTLEITNER)

"1000 strahlende Sonnen" von  Khaled Hossein

(Buchtipp von Manuella Andraschko)

"Ein ganzes halbes Jahr" von Jojo Moyes

Die Geschichte eines Mannes, der nach einem Unfall nicht mehr leben will und dem eine Betreuerin versucht wieder Lebensmut zuzusprechen. Eine vertrauensvolle Beziehung mit allein Höhen und Tiefen im Leben eines Menschen mit Behinderung entsteht. Absolut lesenswert!

(Buchtipp von Erika Wöckinger)

"Waslala" von Gioconda Belli

Typisch südamerikanische Literatur: exotisch, erotisch, spannend; mit hirstorischen Bezügen (auf die Geschichte Südamerika) und Sozialkritik.

(Buchtipp von Daniela Hackl)

"Segen der Erde" von Knut Hamsun

(Buchtipp von Christine Mayrhofer)

"Im Komma" und andere Thriller von Joy Fielding

(Buchtipp von Ursula Nopp)

"Die Mütter-Mafia" von Kerstin Gier

Ein humorvoller Blick auf Erziehungs-Trends in unserer Gesellschaft; ein witziger roman, der zeigt wie ´s sein könnte oder sollte oder müsste!? Charaktere "aus dem Leben gegriffen" - und dan ein weinig überzeichnet, das sorgt für Lachgarantie!

(Buchtipp von Ursula Nopp)

"Herzblut" von Klüpfl und Kobr

Ein neuer Fall für Kluftinger, den liebenswerten Ermittler aus dem Allgäu.

(Buchdipp von Verena Hunger)

"Die drei ???: Der tote Mönch" (Antolin: ab der 6. Schulstufe)

(Buchtipp von Moritz Hackl)

"Asterix und Obelix: Die Odyssee" (Antolin: ab Schulstufe 4)

(Buchtipp von Moritz Hackl)